Jan Bart
1819Jan Bart geht über den Vlissinger Damm. “Hür′, Katrin, wi trecken tosamm; En Huus, en Boot, ′ne Zieg′ un ′ne Kuh′, Wat mienst, Katrin? sy meine Fru.”
Katrin an ihrem Friesrock zog, “Ne, Jan, bist mi nich Mynherr ′noog.” Der nickt und lacht: “Na, denn Adje.” Und nach Frankreich geht er und sticht in See.
Matrose, Maat, so fängt er an, Auf der zweiten Reise: Steuermann, Auf der dritten: Leutnant unter Du Quesne, Auf der vierten: Flottenkapitän.
Und als es mit England kommt zum Krieg, Wo Jan Bart erscheint, erscheint der Sieg, Wie stolz des britischen Banner auch weh′ Jan Bart ist Herr und fegt die See.
Heut aber tritt er vor seinen Herrn, Vor Louis quatorze. Der sieht ihn gern. “Willkommen, Jan Bart, in diesem Saal, Ich ernenn′ Euch zu meinem Groß-Admiral.”
Jan Bart verneigt sich: “Majestät, Was klug und recht ist, kommt nie zu spät.” Alles starrt auf den König, der aber lacht, - Jan Bart hat sich wieder heim gemacht.
Und am Vlissinger Damm, an alter Stell′ Sitzt wieder Katrin auf ihrer Schwell′, Ihren Ältesten hält sie bei der Hand, Der Jüngste liegt und spielt und Sand.
Er grüßt sie lachend und noch einmal: “Katrin, ich bin nun Groß-Admiral, Katrin, w′rüm biste nicht mit mir goahn?” “Joa, wenn ick′t wußt hätt, hätt ick′t doahn.”
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Interpretation
Das Gedicht "Jan Bart" von Theodor Fontane erzählt die Geschichte eines bescheidenen Mannes aus einfachen Verhältnissen, der durch Fleiß, Geschick und Tapferkeit zu einem hohen militärischen Rang aufsteigt. Die Handlung beginnt an einem Flussufer, wo Jan Bart seiner Angebeteten Katrin einen bescheidenen Lebensweg vorschlägt, der jedoch abgelehnt wird. Dieser Anfang deutet auf die bodenständigen Wurzeln des Protagonisten hin. Die Reise Jan Barts führt ihn nach Frankreich, wo er eine steile Karriere in der Marine durchläuft. Von einem einfachen Matrosen bis zum Flottenkapitän und schließlich zum Groß-Admiral unter Ludwig XIV. steigt er auf. Seine militärischen Erfolge, besonders gegen England, werden als überlegen und unbesiegbar dargestellt. Die Ernennung zum Groß-Admiral durch den König wird mit einer Mischung aus Demut und Ironik aufgenommen, was auf Jan Barts Charakterstärke und Selbstbewusstsein hinweist. Das Gedicht endet mit einer Rückkehr Jan Barts an den Ausgangsort seines Lebensweges, wo er Katrin wiedertrifft. Diese Rückkehr symbolisiert die Vollendung seines Lebenskreises und unterstreicht die Themen der Bescheidenheit und der Verbundenheit mit den Wurzeln. Katrins Antwort am Ende des Gedichts, die auf Plattdeutsch gehalten ist, verleiht der Erzählung einen Hauch von Lokalkolorit und Authentizität. Sie deutet an, dass die Vergangenheit nicht verändert werden kann und die Entscheidungen, die man trifft, unumkehrbar sind.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Jan Bart geht über den Vlissinger Damm.
- Anspielung
- Vor Louis quatorze.
- Bildlichkeit
- Und am Vlissinger Damm, an alter Stell′ Sitzt wieder Katrin auf ihrer Schwell′.
- Dialog
- Hür′, Katrin, wi trecken tosamm; En Huus, en Boot, ′ne Zieg′ un ′ne Kuh′, Wat mienst, Katrin? sy meine Fru.
- Enjambement
- Der nickt und lacht: 'Na, denn Adje.' Und nach Frankreich geht er und sticht in See.
- Hyperbel
- Jan Bart ist Herr und fegt die See.
- Ironie
- Katrin an ihrem Friesrock zog, 'Ne, Jan, bist mi nich Mynherr ′noog.'
- Metapher
- Jan Bart hat sich wieder heim gemacht.
- Parallelismus
- Matrose, Maat, so fängt er an, Auf der zweiten Reise: Steuermann, Auf der dritten: Leutnant unter Du Quesne, Auf der vierten: Flottenkapitän.
- Personifikation
- Wo Jan Bart erscheint, erscheint der Sieg.
- Wiederholung
- Jan Bart, Katrin, ick′t wußt hätt, hätt ick′t doahn.