Jahrmarkt
1837Sinds die Häuser, sinds die Gassen? Ach, ich weiß nicht wo ich bin! Hab ein Liebchen hier gelassen, Und manch Jahr ging seitdem hin.
Aus den Fenstern schöne Frauen Sehn mir freundlich ins Gesicht, Keine kann so frischlich schauen, Als mein liebes Liebchen sicht.
An dem Hause poch ich bange - Doch die Fenster stehen leer, Ausgezogen ist sie lange, Und es kennt mich keiner mehr.
Und ringsum ein Rufen, Handeln, Schmucke Waren, bunter Schein, Herrn und Damen gehn und wandeln Zwischendurch in bunten Reihn.
Zierlich Bücken, freundlich Blicken, Manches flüchtge Liebeswort, Händedrücken, heimlich Nicken - Nimmt sie all der Strom mit fort.
Und mein Liebchen sah ich eben Traurig in dem lustgen Schwarm, Und ein schöner Herr daneben Führt′ sie stolz und ernst am Arm.
Doch verblaßt war Mund und Wange, Und gebrochen war ihr Blick, Seltsam schaut′ sie stumm und lange, Lange noch auf mich zurück. -
Und es endet Tag und Scherzen, Durch die Gassen pfeift der Wind - Keiner weiß, wie unsre Herzen Tief von Schmerz zerrissen sind.
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Interpretation
Das Gedicht "Jahrmarkt" von Joseph von Eichendorff handelt von einem Mann, der nach vielen Jahren zu dem Haus zurückkehrt, in dem er einst seine Geliebte zurückließ. Er ist sich unsicher, ob er sich noch an den Ort erinnern kann und findet die Frau, die er sucht, nicht mehr vor. Stattdessen beobachtet er eine lebhafte Marktszene, in der Paare flirten und sich verlieren. Der Mann entdeckt seine ehemalige Geliebte inmitten des bunten Treibens. Sie wirkt traurig und gebrochen, und als sie ihn bemerkt, schaut sie lange und stumm auf ihn zurück. Die äußere Fröhlichkeit des Jahrmarkts kontrastiert mit der inneren Trauer der beiden ehemaligen Liebenden. Das Gedicht endet mit dem Einbruch der Dunkelheit und des Windes, der durch die Gassen pfeift. Die äußere Szene löst sich auf, und die tiefen Schmerzen der beiden Herzen bleiben verborgen. Das Gedicht vermittelt eine Stimmung von Nostalgie, Verlust und unerfüllter Liebe.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Titel: Jahrmarkt
- Hyperbel
- Und manch Jahr ging seitdem hin
- Metapher
- Doch verblaßt war Mund und Wange, Und gebrochen war ihr Blick
- Personifikation
- Und es endet Tag und Scherzen
- Symbolik
- Durch die Gassen pfeift der Wind
- Vergleich
- Keine kann so frischlich schauen, Als mein liebes Liebchen sicht
- Wiederholung
- Sinds die Häuser, sinds die Gassen? / Ach, ich weiß nicht wo ich bin!