Jägers Lust

Wilhelm Müller

1906

Es lebe, was auf Erden Stolziert in grüner Tracht, Die Wälder und die Felder, Die Jäger und die Jagd!

Wie lustig ist′s im Grünen, Wenn′s helle Jagdhorn schallt, Wenn Hirsch′ und Rehe springen, Wenn′s blitzt und dampft und knallt!

Ich hab mir schwarz gesenget Das rechte Augenlid: Was tut′s, da mich mein Dirnel So schwarz auch gerne sieht?

Mein Stutz und meine Dirne, Sind die mir immer treu, Was tu ich weiter fragen Nach Welt und Klerisei?

Im Walde bin ich König, Der Wald ist Gottes Haus; Da weht sein starker Odem Lebendig ein und aus.

Ein Wildschütz will ich bleiben, So lang die Tannen grün, Mein Mädchen will ich küssen, So lang die Lippen glühn.

Komm, Kind, mit mir zu wohnen Im freien Waldrevier! Von immergrünen Zweigen Bau ich ein Hüttchen dir.

Dann steig ich nimmer wieder Ins graue Dorf hinab, Im Walde will ich leben, Im Wald grabt mir ein Grab!

Daß nicht des Pfarrers Kühe Darauf zur Weide gehn: Das Wild soll drüber springen. Kein Kreuz im Wege stehn.

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Illustration zu Jägers Lust

Interpretation

Das Gedicht "Jägers Lust" von Wilhelm Müller feiert die Lebensfreude und die Verbundenheit des Jägers mit der Natur. Der Jäger preist die Schönheit der Wälder und Felder sowie die Aufregung der Jagd, die von Jagdhornklängen, springenden Tieren und dem Klang von Schüssen begleitet wird. Diese Naturliebe wird als Quelle des Glücks und der Freiheit dargestellt. Der Jäger betont seine Hingabe an seine Leidenschaft und seine Geliebte, die er "Dirnel" nennt. Er zeigt sich unbekümmert gegenüber gesellschaftlichen Konventionen und dem Klerus, solange seine Geliebte und sein Jagdstutzen ihm treu bleiben. Der Wald wird als sein Königreich und als "Gottes Haus" beschrieben, was eine fast religiöse Verehrung der Natur ausdrückt. Das Gedicht endet mit dem Wunsch des Jägers, im Einklang mit der Natur zu leben und zu sterben. Er lädt seine Geliebte ein, mit ihm im Wald zu wohnen, und träumt von einem einfachen Leben in einer Hütte aus immergrünen Zweigen. Der Jäger wünscht sich ein Begräbnis im Wald, weit entfernt von kirchlichem Einfluss, wo das Wild über sein Grab springen kann, anstatt eines Kreuzes als Grabmal.

Schlüsselwörter

will springen schwarz walde wald lang lebe erden

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Stilmittel

Alliteration
Wenn's helle Jagdhorn schallt
Anapher
Es lebe, was auf Erden Stolziert in grüner Tracht, Die Wälder und die Felder, Die Jäger und die Jagd!
Bildsprache
Daß nicht des Pfarrers Kühe Darauf zur Weide gehn: Das Wild soll drüber springen. Kein Kreuz im Wege stehn
Hyperbel
Mein Mädchen will ich küssen, So lang die Lippen glühn
Kontrast
Im Walde will ich leben, Im Wald grabt mir ein Grab
Metapher
Im Walde bin ich König
Personifikation
Da weht sein starker Odem Lebendig ein und aus
Symbolik
Von immergrünen Zweigen Bau ich ein Hüttchen dir