Jägers Abendlied

Johann Wolfgang von Goethe

1775

Im Felde schleich′ ich still und wild, Gespannt mein Feuerrohr. Da schwebt so licht dein liebes Bild, Dein süßes Bild mir vor.

Du wandelst jetzt wohl still und mild Durch Feld und liebes Tal, Und ach, mein schnell verrauschend Bild, Stellt sich dir′s nicht einmal?

Des Menschen, der die Welt durchstreift Voll Unmut und Verdruß, Nach Osten und nach Westen schweift, Weil er dich lassen muß.

Mir ist es, denk ich nur an dich, Als in den Mond zu seh′n; Ein stiller Friede kommt auf mich, Weiß nicht, wie mir geschehn.

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Illustration zu Jägers Abendlied

Interpretation

Das Gedicht "Jägers Abendlied" von Johann Wolfgang von Goethe handelt von der Sehnsucht und dem inneren Frieden, den der Gedanke an eine geliebte Person hervorruft. Der Sprecher, der sich als Jäger in der Natur befindet, wird von dem Bild der Geliebten begleitet, das ihm Trost und Ruhe spendet. Die Wiederholung des Bildes in der Natur unterstreicht die tiefe emotionale Verbindung und das Verlangen nach Nähe. Die zweite Strophe verdeutlicht die Unerreichbarkeit der Geliebten, die nun allein durch die Felder und Täler wandelt. Der Sprecher fragt sich, ob sein Bild ihr jemals erscheint, was die einseitige Natur seiner Sehnsucht betont. Der Gedanke an die Geliebte wird zu einem inneren Bild, das den Jäger begleitet und ihm in der Einsamkeit Halt gibt. Die dritte Strophe erweitert den Kontext, indem sie die universelle Erfahrung der Trennung und des Verlustes anspricht. Der Sprecher fühlt sich mit allen Menschen verbunden, die aus Liebe die Welt durchstreifen und dabei voller Unmut und Verdruß sind. Die Trennung von der Geliebten wird als eine Art Wanderung dargestellt, die den Menschen antreibt, aber auch unglücklich macht. Die letzte Strophe beschreibt die transformative Kraft des Gedankens an die Geliebte. Der Sprecher vergleicht das Nachdenken über sie mit dem Anblick des Mondes, der ihm einen stillen Frieden schenkt. Dieser Frieden ist so tief und unerklärlich, dass er sich selbst nicht bewusst ist, wie ihm geschieht. Das Gedicht endet mit der Betonung der heilenden und beruhigenden Wirkung der Liebe, die den Jäger in der Natur begleitet und ihm einen inneren Zufluchtsort bietet.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Hyperbel
Weil er dich lassen muß
Metapher
Dein liebes Bild mir vor
Personifikation
Du wandelst jetzt wohl still und mild
Symbolik
Mond
Vergleich
Als in den Mond zu seh′n