Ja, der Frühling

Margarete Beutler

1876

Ja, der Frühling ist im Land! Alle Wesen sind bereit in dem neuen Prunkgewand zu der Hochzeit-Lustbarkeit.

Jedes weiß, was es zu tun, und erkürt den rechten Platz; Stolz behupft der Hahn sein Huhn und den Kater rupft die Katz.

Nach erprobtem Lenzgesetz fallen alle offenbar in das große Liebesnetz - nur der Mensch ist sich nicht klar!

Nur der Mensch, der arme Tropf, spricht von höhrer Lebenspflicht; eifrig zählt er Knopf an Knopf: Soll ich, oder soll ich nicht?

Stimm ich in die Melodie dieser Frühlingsraserei - oder überhör ich sie und geh würdevoll vorbei?

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Illustration zu Ja, der Frühling

Interpretation

Das Gedicht "Ja, der Frühling" von Margarete Beutler beschreibt die Ankunft des Frühlings und wie sich alle Wesen darauf vorbereiten. Die Natur erwacht zu neuem Leben und jedes Tier weiß genau, was es zu tun hat. Die Tiere verhalten sich instinktiv und folgen dem natürlichen Drang zur Paarung. Der Frühling wird als eine Art Hochzeitsfest dargestellt, zu dem alle bereit sind. Im Gegensatz dazu steht der Mensch, der sich in dieser Zeit unsicher und zögerlich verhält. Während die Tiere dem natürlichen Frühlingsgesetz folgen und sich in das "große Liebesnetz" begeben, ist der Mensch verwirrt. Er hinterfragt seine Pflichten und zögert, ob er sich dem Frühlingsrausch hingeben soll oder nicht. Der Mensch wird als "armer Tropf" bezeichnet, der sich in seiner Rationalität verliert und die einfache Freude des Augenblicks nicht genießen kann. Das Gedicht endet mit einer Frage, die den inneren Konflikt des Menschen verdeutlicht. Er muss sich entscheiden, ob er sich der "Melodie dieser Frühlingsraserei" anschließt oder sie ignoriert und würdevoll an ihr vorbeigeht. Beutler kritisiert hier die menschliche Neigung, das Leben zu überdenken und sich von natürlichen Impulsen abzuhalten. Der Mensch verpasst dadurch möglicherweise die Schönheit und Freude des Frühlings, die die Tiere so unbeschwert genießen.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
sagt von höhrer Lebenspflicht
Hyperbel
eifrig zählt er Knopf an Knopf
Ironie
Nur der Mensch ist sich nicht klar
Kontrast
nur der Mensch, der arme Tropf
Metapher
in das große Liebesnetz
Parallelismus
Stimm ich in die Melodie / oder überhör ich sie
Personifikation
Alle Wesen sind bereit
Rhetorische Frage
Soll ich, oder soll ich nicht?
Vergleich
wie bei einer Hochzeit