Itzt will ich in den Wald und mit Dianen jagen...

Sibylla Schwarz

1638

Itzt will ich in den Wald / und mit Dianen jagen! Ich lieb′ / und das ich lieb / gefält mir selber nicht; dann Lieb′ ist solch ein Tuhn / das alles guhte bricht / mein Elend ist zu groß; Ich muß mich damit plagen / das mein Gewissen krenckt / und stets Verlangen tragen nach dem / das mir nicht wird: die böse Liebes Gicht / die grimme Tobessucht / hat mich so zugericht / daß ich nicht ich mehr bin; Itzt will ich ihr entsagen / so viel ich immer kan / dan ungegründte Trew läst nimmer friedsam seyn / und bringt zu späte Rew; Sie ist ein fressend Fewr / und frisst sich nimmer satt / ist blind / ist Wind / und brent / ist ein Verderb der Jugend / sie ist ein guhtes Bös′ und lasterhaffte Tugend; doch sey sie / wie sie wol / mich macht sie faul und matt.

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Illustration zu Itzt will ich in den Wald und mit Dianen jagen...

Interpretation

Das Gedicht "Itzt will ich in den Wald und mit Dianen jagen..." von Sibylla Schwarz handelt von der inneren Zerrissenheit der lyrischen Ich-Erzählerin, die unter der Qual der unerfüllten Liebe leidet. Die Protagonistin sehnt sich danach, der quälenden Leidenschaft zu entfliehen und in den Wald zu gehen, um mit den Dianen, den Gefährtinnen der Jagdgöttin Diana, zu jagen. Dies symbolisiert den Wunsch nach Freiheit und Ungebundenheit. Die Liebe wird als zerstörerische Kraft dargestellt, die das Gewissen verletzt und ständiges Verlangen nach dem Unerreichbaren auslöst. Die lyrische Ich-Erzählerin fühlt sich von der "bösen Liebes Gicht" und der "grimmen Tobessucht" befallen und ist nicht mehr sie selbst. Sie beschließt, der Liebe zu entsagen, da ungegründete Treue keinen Frieden zulässt und späte Reue bringt. Die Liebe wird als "fressendes Feuer" beschrieben, das sich nie satt frisst und blind, windig und brennend ist. Sie ist ein Verderben der Jugend und eine gute Schlechtigkeit sowie lasterhafte Tugend. Letztendlich macht die Liebe die lyrische Ich-Erzählerin faul und matt, unabhängig davon, wie sie auch sein mag. Das Gedicht vermittelt die Botschaft, dass die unerfüllte Liebe eine große Belastung darstellt und dass es manchmal notwendig ist, sich von ihr zu lösen, um inneren Frieden zu finden. Die Protagonistin strebt danach, sich von der zerstörerischen Leidenschaft zu befreien und zu einem selbstbestimmteren Leben zurückzufinden.

Schlüsselwörter

lieb itzt will nimmer wald dianen jagen gefält

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
mein Elend ist zu groß; Ich muß mich damit plagen
Anapher
die böse Liebes Gicht / die grimme Tobessucht
Hyperbel
mein Elend ist zu groß
Kontrast
Sie ist ein guhtes Bös′ und lasterhaffte Tugend
Metapher
Sie ist ein fressend Fewr / und frisst sich nimmer satt
Personifikation
Sie ist ein guhtes Bös′ und lasterhaffte Tugend
Reim
jagen / tragen
Tautologie
Ist blind / ist Wind / und brent