Ist mancher so gegangen
1939Ist mancher so gegangen Und hat zurückgedacht, Wie er mit Kinderwangen Hier einst gespielt, gelacht.
Wird mancher noch so gehen Und denken so zurück Und wird sich selber sehen In seinem Kinderglück.
Wird stehen, wie ich heute, An seinem Vaterhaus, Wo nun fremde Leute Zum Fenster schaun heraus,
Wird suchen und wird spähen, Am hellen Tage blind, Wird meinen, er müsse sie sehen, Die alle nicht mehr sind.
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Interpretation
Das Gedicht "Ist mancher so gegangen" von Friedrich Theodor Vischer beschäftigt sich mit der Vergänglichkeit der Zeit und der Sehnsucht nach der verlorenen Kindheit. Der Sprecher reflektiert über die Menschen, die einst als Kinder voller Freude an diesem Ort gespielt und gelacht haben, und stellt sich vor, dass auch zukünftige Generationen an diesem Ort stehen und in ähnlicher Weise an ihre eigene Kindheit zurückdenken werden. Der zweite Teil des Gedichts führt den Leser in die Gegenwart, wo der Sprecher selbst an seinem Vaterhaus steht. Er beobachtet fremde Menschen, die aus den Fenstern schauen, und versucht, die Geister seiner Vergangenheit zu erblicken. Die Ironie liegt darin, dass er trotz des hellen Tages "blind" ist, da er die Menschen, die einst dort lebten, nicht mehr sehen kann. Sie sind alle gegangen und nur noch in seiner Erinnerung präsent. Das Gedicht endet mit einer tiefen Melancholie, als der Sprecher sich wünscht, die verlorenen Menschen sehen zu können, die nicht mehr existieren. Es verdeutlicht die menschliche Sehnsucht nach der Vergangenheit und die Erkenntnis, dass die Zeit unaufhaltsam voranschreitet und die Menschen, die einst Teil unseres Lebens waren, nicht mehr da sind. Das Gedicht erinnert uns daran, die kostbaren Momente des Lebens zu schätzen, da sie vergänglich sind und uns eines Tages nur noch als Erinnerung bleiben werden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Wird meinen, er müsse sie sehen
- Bildsprache
- An seinem Vaterhaus
- Enjambement
- Ist mancher so gegangen Und hat zurückgedacht
- Kontrast
- Am hellen Tage blind
- Metapher
- Wie er mit Kinderwangen
- Personifikation
- An seinem Vaterhaus, Wo nun fremde Leute Zum Fenster schaun heraus
- Wiederholung
- Ist mancher so gegangen / Und hat zurückgedacht / Wie er mit Kinderwangen / Hier einst gespielt, gelacht