»Ist doch – rufen sie vermessen –
Nichts im Werke, nicht gethan!«
Und das Große reift in dessen
Still heran.
Es erscheint nun; niemand sieht es,
Niemand hört es im Geschrei:
Mit bescheidner Trauer zieht es
Still vorbei.
Ist doch – rufen sie vermessen…
Mehr zu diesem Gedicht
Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Ist doch – rufen sie vermessen…“ von Ernst von Feuchtersleben beschäftigt sich mit der Thematik der stillen, oft unbemerkten Entstehung und dem vorübergehenden Wirken von Großem. Es prangert die Kurzsichtigkeit derer an, die den Wert des Prozesses, des Wachstums und der stillen Entwicklung nicht erkennen. Die vermeintliche Leere oder das Nichtstun, das von den „vermessenen“ Personen betont wird, steht im Gegensatz zur Realität der stillen, aber stetigen Entwicklung.
Das Gedicht zeichnet sich durch eine klare Struktur und eine einfache, aber wirkungsvolle Sprache aus. Die ersten beiden Verse etablieren die Perspektive der „vermessenen“, die das Fehlen von greifbaren Resultaten beklagen. Die folgenden Verse widersprechen dieser Sichtweise und weisen auf die verborgene Kraft des Wachstums hin. Das „Große“ reift im Verborgenen heran und wird durch die Stille und die verborgene Entwicklung gekennzeichnet. Die Verwendung von Worten wie „still“ und „bescheiden“ unterstreicht die Unaufdringlichkeit dieses Prozesses.
Die zentrale Botschaft des Gedichts ist die Wertschätzung des Ungesehenen, der stillen Entwicklung, des Prozesses, der oft mehr Bedeutung hat als die spektakulären Ergebnisse. Die Zeilen „Es erscheint nun; niemand sieht es, / Niemand hört es im Geschrei:“ betonen die Isolation des Großen in seinem Moment des Erscheinens, da es inmitten des Lärms und der Aufregung der Welt oft übersehen wird. Die „bescheidne Trauer“ im letzten Vers suggeriert, dass das Große, wenn es vorbeizieht, die fehlende Anerkennung und das Nicht-Verstehen beklagt.
Feuchtersleben kritisiert mit diesem Gedicht eine oberflächliche Sichtweise, die sich auf sofort sichtbare Erfolge und laute Gesten konzentriert, und plädiert für eine tiefere Wahrnehmung, die auch die stillen, oft übersehenen Kräfte des Wachstums und der Entwicklung berücksichtigt. Es ist eine Mahnung, die kleinen, unauffälligen Dinge zu schätzen, die den Weg für große Dinge ebnen. Es ist eine Reflexion über die Zeit, die Geduld und die Wichtigkeit, die wahre Natur der Dinge zu erkennen, auch wenn sie sich in der Stille entfaltet.
Weitere Informationen
Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.
Lizenz und Verwendung
Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.
