Ist Alles stumm und leer
1793Ist Alles so öd und hin, Bange mein Geist und Sinn, Wollte, nicht weiß ich was Jagt mich ohne Unterlaß Wüßt ich wohin? -
Ein Bild von Meisterhand Hat mir den Sinn gebannt Seit ich das Holde sah Ists fern und ewig nah Mir anverwandt. -
Ein Klang im Herzen ruht, Der noch erfüllt den Muth Wie Flötenhauch ein Wort, Tönet noch leise fort, Stillt Thränenfluth.
Frühlinges Blumen treu, Kommn zurück aufs Neu, Nicht so der Liebe Glück Ach es kommt nicht zurück Schön doch nicht treu.
Kann Lieb so unlieb sein, von mir so fern was mein? - Kann Lust so schmerzlich sein Untreu so herzlich sein? - O Wonn′ o Pein!
Phönix der Lieblichkeit Dich trägt dein Fittig weit Hin zu der Sonne Strahl - Ach was ist dir zumal Mein einsam Leid?
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Interpretation
Das Gedicht "Ist Alles stumm und leer" von Karoline von Günderode thematisiert die tiefe Einsamkeit und Sehnsucht der lyrischen Ich-Figur. Die Stimmung ist von Melancholie und Verzweiflung geprägt. Die Sprecherin fühlt sich innerlich leer und ruhelos, ohne zu wissen, wohin sie sich wenden soll. In der zweiten Strophe wendet sich die Sprecherin einem Bildnis zu, das sie fasziniert und ihr nahe ist, obwohl es fern ist. Dieses Bild wird zum Symbol für die unerreichbare Liebe, nach der sich die lyrische Figur sehnt. In der dritten Strophe wird ein Klang im Herzen erwähnt, der Trost spendet und die Tränen stillt. Dies kann als Metapher für die Liebe oder die Sehnsucht selbst verstanden werden. Die vierte Strophe kontrastiert die Wiederkehr des Frühlings mit der nicht wiederkehrenden Liebe. Die Liebe wird als schön aber untreu charakterisiert. In der fünften Strophe drückt die Sprecherin ihr Unverständnis darüber aus, dass die Liebe so unlieb, so fern und so schmerzlich sein kann. Die letzte Strophe vergleicht die Geliebte mit einem Phönix, der sich der Sonne zuwendet, während die Sprecherin in ihrer Einsamkeit zurückbleibt. Das Gedicht endet mit der Frage, was die Geliebte mit dem Leid der Sprecherin zu tun habe.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Schön doch nicht treu
- Anapher
- O Wonn′ o Pein!
- Hyperbel
- O Wonn′ o Pein!
- Kontrast
- Frühlinges Blumen treu, Kommn zurück aufs Neu, Nicht so der Liebe Glück
- Metapher
- Ein Bild von Meisterhand hat mir den Sinn gebannt
- Parallelismus
- Kann Lieb so unlieb sein, von mir so fern was mein?
- Personifikation
- Bange mein Geist und Sinn
- Rhetorische Frage
- Wollte, nicht weiß ich was jagt mich ohne Unterlaß wüßt ich wohin?
- Symbolik
- Phönix der Lieblichkeit