Ironische Landschaften

Klabund

1926

Brauner Äcker welliger Zug, Draus zweiarmig eine Mühle wächst. Ein paar Pflaumenbäume, wahllos hingekleckst, Ruhn auf eines Hügels schlankem Bug.

In der Ferne seh ich ein paar Föhren, Stolzen Wuchses, mit Giraffenbeinen, Und sie scheinen Mir dem Fiskus zu gehören.

Gleich einem Zuge grau zerlumpter Strolche Bedrohlich schwankend wie betrunkne Särge Gehn Abendwolken über jene Berge, In ihren Lumpen blitzen rote Sonnendolche.

Da wächst, ein schwarzer Bauch, aus dem Gelände Der Landgendarm, daß er der Ordnung sich beflisse, Und scheucht mit einem bösen Schütteln seiner Hände Die Abendwolkenstrolche fort ins Ungewisse.

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Illustration zu Ironische Landschaften

Interpretation

Das Gedicht "Ironische Landschaften" von Klabund präsentiert eine kritische und ironische Darstellung einer ländlichen Landschaft. Die erste Strophe beschreibt eine typische ländliche Szenerie mit braunen Äckern, einer Mühle und Pflaumenbäumen. Doch bereits hier wird eine gewisse Distanziertheit und Kritik deutlich, etwa in der Formulierung "wahllos hingekleckst", die auf eine zufällige oder unordentliche Anordnung der Bäume hindeutet. Die zweite Strophe führt Föhren ein, die mit "Giraffenbeinen" beschrieben werden und dem Fiskus zu gehören scheinen. Diese metaphorische Beschreibung verleiht den Bäumen eine seltsame, fast bedrohliche Präsenz und deutet auf die allgegenwärtige Präsenz staatlicher Institutionen und Steuern hin. Die Ironie liegt darin, dass selbst die Natur scheinbar dem Fiskus gehört. In der dritten und vierten Strophe werden Abendwolken als "grau zerlumpter Strolche" personifiziert, die bedrohlich und betrunken über die Berge ziehen. Die "roten Sonnendolche", die aus ihren Lumpen blitzen, verleihen der Szenerie eine dramatische und fast gewalttätige Atmosphäre. Der "Landgendarm" in der letzten Strophe, beschrieben als "schwarzer Bauch", scheucht die Wolkenstrolche mit einer "bösen Schütteln seiner Hände" fort. Diese Figur symbolisiert die staatliche Ordnungsmacht, die mit unnachgiebiger Härte gegen vermeintliche Unruhestifter vorgeht. Die Ironie und Kritik des Gedichts richten sich gegen die unterdrückerische Natur staatlicher Kontrolle und die Entmenschlichung der Landschaft durch bürokratische und steuerliche Eingriffe.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Brauner Äcker welliger Zug
Metapher
Abendwolkenstrolche
Personifikation
Daß er der Ordnung sich beflisse
Vergleich
Gleich einem Zuge grau zerlumpter Strolche