Ir sult sprechen willekomen
unknownIr sult sprechen willekomen: der iu mære bringet, daz bin ich. allez daz ir habt vernomen, daz ist gar ein wint: nû frâget mich. ich wil aber miete: wirt mîn lôn iht guot, ich gesage iu lîhte daz iu sanfte tuot. seht waz man mir êren biete.
Ich wil tiuschen frouwen sagen slhiu mære daz si deste baz al der werlte suln behagen: âne grôze miete tuon ich daz. waz wold ich ze lône? si sint mir ze hêr. sô bin ich gefüege und bite si nihtes mêr wan daz si mich grüezen schône.
Ich hân lande vil gesehen unde nam der besten gerne war: übel müeze mir geschehen, kunde ich ie mîn herze bringen dar daz im wol gevallen wolde fremeder site. nû waz hulfe mich, ob ich unrechte strite? tiuschiu zuht gât vor in allen.
Von der Elbe unz an den Rîn und her wider unz an Ungerlant mugen wol die besten sîn, die ich in der werlte hân erkant. kan ich rehte schouwen guot gelâz und lîp, sem mir got, sô swüere ich wol, daz hie diu wip bezzer sint danne ander frouwen.
Tiusche man sint wol gezogen, rehte als engel sint diu wîp getân. swer si schildet, derst betrogen: ich entkan sîn anders niht verstân. tugent und reine minne, swer die suochen wil, der sol komen in unser lant: da ist wünne vil! lange müeze ich leben dar inne!
Der ich vil gedienet hân und iemer mêre gerne dienen wil, diust von mir vil unerlân. iedoch sô tuot si leides mir sô vil. si kan mir versêren herze und den muot. nû vergebez ir got dazs an mir missetuot. her nâch mac si sichs bekêren.
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Interpretation
Das Gedicht "Ir sult sprechen willekomen" von Walther von der Vogelweide thematisiert die Schönheit und den Wert deutscher Frauen sowie die Zuneigung des lyrischen Ichs zu ihnen. Das Gedicht beginnt mit einer Einladung, willkommen zu heißen, wer auch immer Freude bringt, was auf die deutschen Frauen anspielt. Das lyrische Ich betont, dass es bereit ist, über die Tugenden dieser Frauen zu sprechen, wenn es dafür angemessen entlohnt wird. Im zweiten Teil des Gedichts erklärt das lyrische Ich, dass es den deutschen Frauen gerne von den Vorzügen anderer Frauen erzählen würde, aber ohne große Belohnung dies zu tun. Es betont, dass es den deutschen Frauen treu ergeben ist und nichts mehr von ihnen verlangt, als dass sie es schön begrüßen. Das lyrische Ich hat viele Länder bereist und die besten Frauen kennengelernt, aber keine konnte sein Herz so gewinnen wie die deutschen Frauen. Im letzten Teil des Gedichts preist das lyrische Ich die deutschen Frauen als die besten der Welt. Es vergleicht sie mit Engeln und betont ihre Tugend und reine Minne. Das lyrische Ich lädt alle, die nach Tugend und reiner Liebe suchen, ein, in das deutsche Land zu kommen, wo viel Freude zu finden ist. Es drückt den Wunsch aus, lange in diesem Land zu leben, da es von den deutschen Frauen sehr geschätzt wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- willekomen: der iu mære
- Anapher
- Ich wil tiuschen frouwen sagen, Ich hân lande vil gesehen, Ich hân lande vil gesehen
- Hyperbel
- Von der Elbe unz an den Rîn
- Metapher
- daz ist gar ein wint
- Paradox
- tugent und reine minne, swer die suochen vil