In trüben Tagen

Joseph Christian von Zedlitz

1859

Ihr werthen, lieben Gesellen, Wir leben in düstrer Zeit, Der Himmel ist schwarz umzogen Mit Dunkel weit und breit.

Kein Strahl will ihn erhellen, Es theilt die Wolken, dicht, Die nächtlich ihn umwogen, Kein Schimmer von freudigem Licht.

Es ist der Frühling gekommen, Doch wollen die Bäume nicht blühn, Kein Blümlein ist aufgeglommen, Es werden die Wiesen nicht grün!

Das macht, es fehlt die Sonne Mit ihrem warmen Schein, Die Quell ist aller Wonne, Die zeugt und belebt allein;

Und dringt auch ein Schimmer im Weiten Hervor aus dem Dunkel, im Nu Die Wolken darüber gleiten Und decken ihn wieder zu.

So sitzen wir trauernd beisammen, In öder, in schauriger Nacht, Und spähn, ob die leuchtenden Flammen Auf den Bergen umher nicht erwacht.

Und nirgend will es noch tagen, Rings lastet das Dunkel noch schwer; Die Herzen wollen verzagen, Denn finstrer wird′s als vorher!

Drum eilet, die Saiten zu schlagen, Erhellet die Nacht mit Gesang, Dann wird auch den Scheuen und Zagen Im finsteren Schatten nicht bang.

Schließt fester im Ring Euch zusammen, Ihr edlen Sänger, so werth, Ihr habt ja mit himmlischen Flammen, Den glühenden Busen genährt.

So sprühet im freien Gesange Die reine, die heilige Gluth, Und bei dem gefeierten Klange Erstarke das Recht und der Muth!

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Illustration zu In trüben Tagen

Interpretation

Das Gedicht "In trüben Tagen" von Joseph Christian von Zedlitz thematisiert die Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung in einer düsteren Zeit. Der Himmel ist von dunklen Wolken bedeckt und es fehlt an Licht und Wärme. Auch die Natur zeigt sich trüb und leblos. Die Menschen sitzen trauernd beisammen und warten auf ein Zeichen der Hoffnung, das jedoch ausbleibt. Inmitten dieser Dunkelheit appelliert der Dichter an die Kraft der Kunst und des Gesangs. Er ruft die "werten Gesellen" dazu auf, die Saiten zu schlagen und die Nacht mit Gesang zu erhellen. Durch die gemeinsame künstlerische Tätigkeit soll den Ängstlichen und Zweifelnden in der Finsternis nicht bange werden. Die edlen Sänger werden aufgefordert, sich enger zusammenzuschließen und mit ihren "himmlischen Flammen" den Mut und das Recht zu stärken. Letztlich vermittelt das Gedicht die Botschaft, dass selbst in den dunkelsten Zeiten die Kunst und die Gemeinschaft der Künstler einen Funken Hoffnung und Zuversicht spenden können. Der Gesang soll als leuchtendes Feuer die Nacht erhellen und den Menschen den Mut geben, die schweren Zeiten zu überstehen.

Schlüsselwörter

dunkel kein will wolken schimmer wollen nacht flammen

Wortwolke

Wortwolke zu In trüben Tagen

Stilmittel

Alliteration
Erstarke das Recht und der Muth
Metapher
Das Recht und der Muth
Personifikation
Der Himmel ist schwarz umzogen