In Tränen geh ich nun allein

Sophie Friederike Brentano

1806

In Tränen geh ich nun allein, am Quell - Du kennst ihn wohl. Ich blicke in den Bach hinein, daß er mich trösten soll.

Du freundlich Liebesangesicht, wie bist du doch so fern! Dich bringt mir nun kein Tageslicht, bringt nicht der Abendstern.

Mein Leben schließt die Augen zu, weil es Dich nicht mehr sieht, indes in Träumen ohne Ruh mein Herz stets zu Dir zieht.

Die leise Welle rinnet klar, und zeigt den grünen Grund. O! Welle mache offenbar, was wohl mich macht gesund!

Die Welle schweigt und fliehet bald, doch unten frisch und hell grünt wundervoll ein Pflanzenwald bedeckt vom klaren Quell.

Und aus dem frischen Wasserreich steigt hell der Trost zu mir: »Es grünet so der Hoffnung Zweig auch unter Tränen Dir.«

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Illustration zu In Tränen geh ich nun allein

Interpretation

Das Gedicht "In Tränen geh ich nun allein" von Sophie Friederike Brentano beschäftigt sich mit der tiefen Trauer und Sehnsucht einer einsamen Person. Die Sprecherin begibt sich an einen Bach, um Trost zu finden, und blickt in das Wasser, in der Hoffnung, dass es sie trösten wird. Die Einsamkeit wird durch den Verlust einer geliebten Person verstärkt, deren freundliches Gesicht nun weit entfernt ist und selbst das Tageslicht oder der Abendstern sie nicht mehr herbeibringen können. Das Leben der Sprecherin scheint durch den Verlust erloschen zu sein, da es die Augen schließt, weil es die geliebte Person nicht mehr sehen kann. Doch in Träumen zieht das Herz unaufhörlich zu ihr hin, was die ungebrochene Sehnsucht und die tiefe Verbundenheit verdeutlicht. Die Welle im Bach wird als Symbol der Hoffnung und des Trostes interpretiert, da sie den grünen Grund zeigt und die Sprecherin auffordert, das zu enthüllen, was sie gesund machen könnte. Die Welle schweigt und flieht, aber darunter grünt ein wundervoller Pflanzenwald, der vom klaren Quell bedeckt ist. Aus diesem frischen Wasserreich steigt ein heller Trost zu der Sprecherin auf, der ihr sagt, dass auch unter Tränen der Zweig der Hoffnung grünt. Das Gedicht endet mit der Botschaft, dass selbst in tiefster Trauer und Einsamkeit die Hoffnung weiterlebt und Trost spenden kann.

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Stilmittel

Bildsprache
Die leise Welle rinnet klar
Kontrast
grünt wundervoll ein Pflanzenwald
Metapher
der Hoffnung Zweig
Personifikation
Mein Leben schließt die Augen zu
Symbolik
der Abendstern