In Hellbrunn
1914Wieder folgend der blauen Klage des Abends Am Hügel hin, am Frühlingsweiher - Als schwebten darüber die Schatten lange Verstorbener, Die Schatten der Kirchenfürsten, edler Frauen - Schon blühen ihre Blumen, die ernsten Veilchen Im Abendgrund, rauscht des blauen Quells Kristallne Woge. So geistlich ergrünen Die Eichen über den vergessenen Pfaden der Toten, Die goldene Wolke über dem Weiher.
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Interpretation
Das Gedicht "In Hellbrunn" von Georg Trakl ist eine eindringliche Betrachtung der Natur und ihrer Verbindung zu Vergangenheit und Tod. Die Szene spielt sich in Hellbrunn, einem Ort, der für seine barocken Gärten und Wasserspiele bekannt ist, ab. Der Dichter beschreibt einen Abendspaziergang, der von einer melancholischen Stimmung geprägt ist. Die "blaue Klage des Abends" deutet auf eine traurige, nachdenkliche Atmosphäre hin, die den Spaziergang begleitet. Die Verse evozieren eine geisterhafte Präsenz, da die Schatten der "lange Verstorbenen" und der "Kirchenfürsten, edler Frauen" über dem Hügel und dem Frühlingsweiher zu schweben scheinen. Dies könnte als eine Verbindung zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit interpretiert werden, wo die Erinnerungen an die einstigen Bewohner des Ortes noch immer präsent sind. Die "ernsten Veilchen", die im Abendgrund blühen, symbolisieren die Schönheit und Vergänglichkeit des Lebens, während der "blaue Quell" mit seiner "kristallnen Woge" für Klarheit und Reinheit steht. Die Eichen, die über den vergessenen Pfaden der Toten "geistlich ergrünen", verleihen dem Gedicht eine sakrale Note. Sie könnten als Wächter der Erinnerung an die Verstorbenen fungieren und eine Brücke zwischen dem Irdischen und dem Jenseitigen schlagen. Die "goldene Wolke" über dem Weiher rundet das Bild mit einem Hauch von Transzendenz ab, der auf die Unsterblichkeit der Seele oder die ewige Schönheit der Natur hindeutet. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine meditative Stimmung, in der die Natur als Spiegel der menschlichen Existenz und ihrer Vergänglichkeit dient.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Die goldene Wolke über dem Weiher
- Metapher
- blühen ihre Blumen, die ernsten Veilchen
- Personifikation
- geistlich ergrünen die Eichen