In einer fremden Stadt
1939Ich bin in eine fremde Stadt verschlagen. Die Straßen stehn mit Häusern. Weißer Himmel, Auf dem im Winde dünne Wolken ziehn.
Im Abend: Rufe, Pfiffe, Bahngebimmel. In einem Cafe würden Melodien Mir heute die Begrüßung doch versagen.
Ein Kellner käme fremd, was ich befehle: Vielleicht war wieder Angst in meiner Kehle.
Ich gehe matt, zerschlagen hin auf realen Wegen. Menschen kommen mir abendlich entgegen.
Pfiffe hör ich, Rufe, wie im Traum. Ich spüre meine alte Angst noch kaum.
Ich werde schlafen gehn, daß mich nichts wieder quäle. Ich kenne hier ja keine Menschenseele.
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Interpretation
Das Gedicht "In einer fremden Stadt" von Ernst Blass schildert die Erfahrung eines Menschen in einer unbekannten Umgebung. Die Atmosphäre ist geprägt von Fremdheit und Isolation. Der Sprecher befindet sich in einer Stadt, deren Straßen von Häusern gesäumt sind, unter einem weißen Himmel mit dünnen, im Wind ziehenden Wolken. Die Abendstimmung wird durch Rufe, Pfiffe und das Geräusch der Straßenbahnen bestimmt. In einem Café würden ihm die Melodien die Begrüßung verwehren, was seine Isolation unterstreicht. Der Kellner, der ihn bedienen würde, wäre ebenfalls fremd, und möglicherweise würde er wieder Angst in seiner Kehle spüren. Der Sprecher bewegt sich matt und zerschlagen auf realen Wegen durch die Stadt. Er begegnet abendlich Menschen, die ihm entgegenkommen. Doch die Geräusche von Pfiffen und Rufen erscheinen ihm wie im Traum. Seine alte Angst spürt er kaum noch. Er sehnt sich danach, zu schlafen, um von nichts mehr gequält zu werden. Die Tatsache, dass er hier keine Menschenseele kennt, verstärkt sein Gefühl der Einsamkeit und Entwurzelung. Das Gedicht vermittelt ein starkes Gefühl von Fremdheit und Isolation in einer unbekannten Umgebung. Die äußeren Eindrücke, wie die Häuser, der weiße Himmel und die Geräusche des Abends, tragen zur Atmosphäre der Fremdheit bei. Die inneren Empfindungen des Sprechers, wie die matte Erschöpfung, die alte Angst und die Sehnsucht nach Schlaf, verdeutlichen seine psychische Verfassung. Die fehlenden menschlichen Beziehungen und die Unfähigkeit, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden, verstärken das Gefühl der Isolation. Das Gedicht zeigt, wie sich ein Mensch in einer fremden Stadt verloren und allein fühlen kann.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Weißer Himmel, Auf dem im Winde dünne Wolken ziehn
- Hyperbel
- Ich gehe matt, zerschlagen hin auf realen Wegen
- Kontrast
- Ich werde schlafen gehn, daß mich nichts wieder quäle. Ich kenne hier ja keine Menschenseele
- Metapher
- Ich bin in eine fremde Stadt verschlagen
- Onomatopoesie
- Rufe, Pfiffe, Bahngebimmel
- Personifikation
- Die Straßen stehn mit Häusern
- Wiederholung
- Pfiffe hör ich, Rufe, wie im Traum