In einem verlassenen Zimmer

Georg Trakl

1913

Fenster, bunte Blumenbeeten, eine Ogel spielt herein. Schatten tanzen an Tapeten, Wunderlich ein toller Reihn.

Lichterloh die Büsche wehen Und ein Schwarm von Mücken schwingt Fern im Acker Sensen mähen Und ein altes Wasser singt.

Wessen Atem kommt mich kosen? Schwalben irre Zeichen ziehn. Leise fließt im Grenzenlosen Dort das goldne Waldland hin.

Flammen flackern in den Beeten. Wirr verzuckt der tolle Reihn An den gelblichen Tapeten. Jemand schaut zur Tür herein.

Weihrauch duftet süß und Birne Und es dämmern Glas und Truh. Langsam beugt die heiße Stirne Sich den weißen Sternen zu.

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Illustration zu In einem verlassenen Zimmer

Interpretation

Das Gedicht "In einem verlassenen Zimmer" von Georg Trakl ist eine lyrische Reise durch eine verlassene, fast traumartige Szenerie. Es beginnt mit dem Bild eines Zimmers, in dem Fenster und bunte Blumenbeete zu sehen sind, und ein Schatten spielt hinein. Die Schatten tanzen an den Tapeten in einer seltsamen, tollen Reihe, was eine surreale Atmosphäre schafft. Die Natur außerhalb des Zimmers ist ebenfalls lebendig: Büsche wehen lichterloh, Mücken schwärmen, und im Acker werden Sensen gemäht. Ein altes Wasser singt, was die Verbindung zwischen Mensch und Natur verstärkt. Die zweite Strophe vertieft die mystische Stimmung. Die Frage "Wessen Atem kommt mich kosen?" deutet auf eine unsichtbare Präsenz hin, die den Raum durchdringt. Schwalben ziehen irre Zeichen, und im grenzenlosen Raum fließt das goldene Waldland sanft dahin. Diese Bilder vermitteln ein Gefühl von Unendlichkeit und Transzendenz, als ob die Grenzen zwischen Innen und Außen, Realität und Traum verschwimmen. In der dritten Strophe kehrt die Aufmerksamkeit zurück ins Zimmer. Flammen flackern in den Beeten, und die tolle Reihe verzuckt wirr an den gelblichen Tapeten. Jemand schaut zur Tür herein, was eine unheimliche Präsenz andeutet. Der Weihrauchduft und die Birne verleihen der Szene eine sakrale, fast mystische Qualität. Glas und Truhe dämmern, und eine heiße Stirn beugt sich den weißen Sternen zu, was den Übergang von der irdischen zur himmlischen Sphäre symbolisiert. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Atmosphäre der Verlassenheit, des Mystischen und des Übergangs. Es beschreibt einen Raum, der zwischen Realität und Traum, Leben und Tod, irdisch und himmlisch oszilliert. Die Bilder sind oft unklar und traumhaft, was die surreale und poetische Qualität des Gedichts unterstreicht.

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Stilmittel

Alliteration
tolle Reihn
Bildlichkeit
Weihrauch duftet süß und Birne
Metapher
weißen Sternen
Personifikation
heiße Stirne