In einem fremden Park

Rainer Maria Rilke

1875

Zwei Wege sinds. Sie führen keinen hin. Doch manchmal, in Gedanken, läßt der eine dich weitergehn. Es ist, als gingst du fehl; aber auf einmal bist du im Rondel alleingelassen wieder mit dem Steine und wieder auf ihm lesend: Freiherrin Brite Sophie - und wieder mit dem Finger abfühlend die zerfallne Jahreszahl -, warum wird dieses Finden nicht geringer?

Was zögerst du ganz wie zum ersten Mal erwartungsvoll auf diesem Ulmenplatz, der feucht und dunkel ist und nie betreten?

Und was verlockt dich für ein Gegensatz, etwas zu suchen in den sonnigen Beeten, als wärs der Name eines Rosenstocks?

Was stehst du oft? Was hören deine Ohren? Und warum siehst du schließlich, wie verloren, die Falter flimmern um den hohen Phlox.

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Illustration zu In einem fremden Park

Interpretation

Das Gedicht "In einem fremden Park" von Rainer Maria Rilke beschreibt die Erfahrung eines Spaziergängers in einem unbekannten Park, der auf zwei Wege stößt, die scheinbar nirgendwohin führen. Doch in Gedanken lässt der eine Weg den Wanderer weitergehen, als ob er einen Fehler macht, aber plötzlich findet er sich wieder im Rondell, allein mit einem Stein, auf dem er die Inschrift "Freiherrin Brita Sophie" und die verfallene Jahreszahl liest. Das wiederholte Finden dieser Inschrift wird nicht geringer, sondern fasziniert den Wanderer immer wieder. Der zweite Teil des Gedichts beschreibt die Erwartung des Wanderers auf dem feuchten und dunklen Ulmenplatz, der nie betreten wird. Er zögert, als ob es das erste Mal wäre, und wird von einem Gegensatz angezogen, etwas in den sonnigen Beeten zu suchen, als ob es der Name eines Rosenstocks wäre. Der Wanderer steht oft da und hört etwas, und schließlich sieht er verloren die Falter um den hohen Phlox flattern.

Schlüsselwörter

warum zwei wege sinds führen keinen hin manchmal

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Stilmittel

Bildsprache
feucht und dunkel
Kontrast
sonnigen Beeten
Metapher
Es ist, als gingst du fehl
Personifikation
Sie führen keinen hin
Rhetorische Frage
warum wird dieses Finden nicht geringer?
Wiederholung
Was zögerst du... Was stehst du oft... Was hören deine Ohren?