In ein altes Stammbuch
1913Immer wiederkehrst du, Melancholie, O Sanftmut der einsamen Seele. Zu Ende glüht ein goldener Tag.
Demutsvoll beugt sich dem Schmerz der Geduldige Tönend von Wohllaut und weichem Wahnsinn. Siehe! es dämmert schon.
Wiederkehrt die Nacht und klagt ein Sterbliches, Und es leidet ein anderes mit.
Schauernd unter herbstlichen Sternen Neigt sich jährlich tiefer das Haupt.
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Interpretation
Das Gedicht "In ein altes Stammbuch" von Georg Trakl thematisiert die Melancholie und den Schmerz als ständige Begleiter des menschlichen Lebens. Die "immer wiederkehrende Melancholie" wird als "Sanftmut der einsamen Seele" beschrieben, was eine ambivalente Haltung zur Melancholie nahelegt - einerseits wird sie als schmerzhaft empfunden, andererseits auch als etwas Tröstliches oder Vertrautes. Der zweite Teil des Gedichts beschreibt den Übergang vom Tag zur Nacht. Der "geduldige" Mensch beugt sich dem Schmerz und wird von "Wohllaut und weichem Wahnsinn" durchdrungen. Die Dämmerung symbolisiert den Übergang zwischen Leben und Tod. Die Nacht bringt Klage und Leid, wobei das Leiden eines Menschen von einem anderen mitgetragen wird. Im letzten Teil des Gedichts wird das Bild der herbstlichen Sterne verwendet, unter denen sich das Haupt des Menschen "jährlich tiefer neigt". Dies kann als Metapher für das Altern und die Annäherung an den Tod verstanden werden. Die Melancholie und der Schmerz werden als unausweichliche Bestandteile des Lebens dargestellt, die den Menschen bis zum Ende begleiten.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Demutsvoll beugt sich dem Schmerz der Geduldige
- Bildsprache
- Tönend von Wohllaut und weichem Wahnsinn.
- Metapher
- Neigt sich jährlich tiefer das Haupt.
- Parallelismus
- Und es leidet ein anderes mit.
- Personifikation
- Wiederkehrt die Nacht und klagt ein Sterbliches