In der Vaterstadt
1831I.
Das sind die alten Wege, Die schattigen Alleen, Des Parkes alte Stege, Felsburg und kleine Seen.
Das sind die alten Gassen, Der Marktplatz, leer und breit, Vollauf ist Raum gelassen Für Kinderlustbarkeit.
Das sind die Laubengänge, Die uns so wohl behagt, Durch deren luft’ge Länge Wir jauchzend uns gejagt.
Und hier am Hallenbaue, Hier steht das Vaterhaus. Ehrwürdig Haupt, o schaue – Ich harre – schau heraus!
O Mutterbild, erscheine! Geschwister, kommt an’s Licht! Der theuren Seelen keine Darf fehlen. Säumet nicht!
II.
Ist Mancher so gegangen Und hat zurückgedacht, Wie er mit Kinderwangen Hier einst gespielt, gelacht.
Wird Mancher noch so gehen Und denken so zurück Und wird sich selber sehen In seinem Kindesglück,
Wird stehen, wie ich heute, An seinem Vaterhaus, Wo nun die fremden Leute Zum Fenster schauen heraus.
Wird suchen und wird spähen, Am hellen Tage blind, Wird meinen, er müsse sie sehen, Die alle nicht mehr sind.
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Interpretation
Das Gedicht "In der Vaterstadt" von Friedrich Theodor Vischer handelt von einer nostalgischen Rückkehr in die Heimatstadt des Sprechers. In der ersten Strophe beschreibt der Sprecher die vertrauten Wege, Alleen, Stege und Seen des Parks, die er als Kind erkundet hat. Er erinnert sich an die alten Gassen und den breiten Marktplatz, wo Kinder einst fröhlich gespielt haben. Die Laubengänge, durch die er als Kind gejagt ist, werden ebenfalls erwähnt. In der zweiten Strophe steht der Sprecher vor dem elterlichen Haus und sehnt sich danach, seine Eltern und Geschwister wiederzusehen. Er ruft sie auf, hervorzukommen und sich ihm zu zeigen, da keine der lieben Seelen fehlen darf. Der Sprecher ist voller Sehnsucht und Erwartung, seine Familie wiederzutreffen. In der dritten Strophe reflektiert der Sprecher darüber, wie viele Menschen ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Er denkt darüber nach, wie Menschen in die Vergangenheit zurückblicken und sich an ihre Kindheit erinnern. Er imaginiert, dass auch zukünftige Generationen an ihrem elterlichen Haus stehen und in die Vergangenheit blicken werden. Doch die Menschen, die sie suchen, werden nicht mehr da sein. Der Sprecher erkennt die Vergänglichkeit des Lebens und die Tatsache, dass die Zeit vergeht und Menschen gehen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Des Parkes alte Stege, Felsburg und kleine Seen
- Anapher
- Das sind die alten Wege, Das sind die alten Gassen, Das sind die Laubengänge
- Apostrophe
- O Mutterbild, erscheine! Geschwister, kommt an's Licht!
- Enjambement
- Und hat zurückgedacht, Wie er mit Kinderwangen Hier einst gespielt, gelacht
- Metapher
- Ehrwürdig Haupt
- Personifikation
- Der theuren Seelen keine Darf fehlen
- Vergleich
- An seinem Vaterhaus, Wo nun die fremden Leute Zum Fenster schauen heraus