In der Sonne
1883Die Sonne wärmt ihr goldbraun rothes Haar: das leuchtet nun so tief, das sprüht so reich – der Prunk der Feste flammt um ihre Schläfen!
Man darf ihr nicht verrathen, wie so hoch, wie sie so herrlich thront vor meinen Sinnen – sonst küsst sie meine Hände mir nicht mehr und lacht nicht mehr so wie die Kinder lachen, und macht wohl fremde Seelen unterthan … das will die Sonne nicht.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "In der Sonne" von Otto Erich Hartleben beschreibt die poetische Wahrnehmung einer Frau, deren goldbraunes, rotes Haar von der Sonne erwärmt wird. Die intensive Wärme und das Leuchten des Haares werden mit dem Prunk von Festen verglichen, die um ihre Schläfen flammen. Die Beschreibung vermittelt eine fast sakrale Verehrung der Frau, die in der Sonne thront und eine erhabene Präsenz ausstrahlt. Der zweite Teil des Gedichts offenbart eine tiefe Verehrung und eine gewisse Scheu des lyrischen Ichs gegenüber der Frau. Es wird betont, dass man ihr nicht verraten darf, wie hoch sie in den Augen des Sprechers steht und wie herrlich sie vor seinen Sinnen thront. Die Angst, dass sie sonst aufhören könnte, die Hände des Sprechers zu küssen und nicht mehr so kindlich zu lachen, zeigt eine zarte Abhängigkeit und eine Scheu vor dem Verlust dieser Nähe. Im letzten Teil des Gedichts wird die Sorge ausgedrückt, dass die Frau, wenn sie die tiefe Verehrung des Sprechers erkennt, möglicherweise fremde Seelen untertan machen könnte. Dies deutet auf eine mögliche Veränderung in der Dynamik ihrer Beziehung hin, die das lyrische Ich zu vermeiden sucht. Die Sonne, als Symbol für die Wärme und das Licht, will diese Veränderung nicht, was die natürliche und unverfälschte Natur der Beziehung betont.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- das leuchtet nun so tief, das sprüht so reich
- Hyperbel
- wie so hoch, wie sie so herrlich thront vor meinen Sinnen
- Kontrast
- sonst küsst sie meine Hände mir nicht mehr und lacht nicht mehr so wie die Kinder lachen
- Metapher
- Die Sonne wärmt ihr goldbraun rothes Haar
- Personifikation
- der Prunk der Feste flammt um ihre Schläfen