In der Mitternacht
1809Todesstille deckt das Tal Bei des Mondes falbem Strahl; Winde flüstern dumpf und bang In des Wächters Nachtgesang.
Leiser, dumpfer tönt es hier In der bangen Seele mir, Nimmt das Strahl der Hoffnung fort, Wie den Mond die Wolke dort.
Hüllt, ihr Wolken, hüllt den Schein Immer tiefer, tiefer ein! Vor ihm bergen will mein Herz Seinen tiefen, tiefen Schmerz.
Nennen soll ihr nicht mein Mund; Keine Träne mach′ ihn kund; Senken soll man ihn hinab Einst mit mir in′s kühle Grab.
An des Todes milder Hand Geht der Weg in′s Vaterland; Dort ist Liebe sonder Pein; Selig, selig werd′ ich sein.
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Interpretation
Das Gedicht "In der Mitternacht" von Johann Georg Jacobi thematisiert die tiefe Trauer und den Schmerz eines lyrischen Ichs, das in der Stille der Nacht von seinen inneren Qualen überwältigt wird. Die nächtliche Szenerie mit dem fahlen Mondlicht und dem Flüstern des Windes schafft eine düstere und bedrückende Atmosphäre, die die Stimmung des lyrischen Ichs widerspiegelt. Die Natur wird hier als Spiegel der seelischen Verfassung dargestellt, wobei der Mond, der von Wolken verdeckt wird, die schwindende Hoffnung symbolisiert. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Sehnsucht nach Verborgenheit und das Bedürfnis, den Schmerz nicht preiszugeben, deutlich. Das lyrische Ich wünscht sich, dass die Wolken den Mondschein immer tiefer verhüllen mögen, um sein Herz vor dem Licht zu schützen. Dieser Wunsch, den Schmerz zu verbergen, zeigt die Intensität des Leids, das das Ich erlebt und das es nicht mit der Außenwelt teilen möchte. Der Schmerz soll mit ins Grab genommen werden, was auf eine tiefe Resignation und das Gefühl der Einsamkeit hindeutet. Im letzten Teil des Gedichts findet das lyrische Ich einen Hoffnungsschimmer in der Vorstellung des Todes als einer "mildern Hand", die den Weg ins "Vaterland" weist. Hier wird der Tod nicht als etwas Furchterregendes, sondern als Erlösung von der Pein dargestellt. Die Aussicht auf eine Liebe ohne Leid im Jenseits gibt dem lyrischen Ich Trost und die Zuversicht, dass es "selig" sein wird. Dieses Gedicht vermittelt somit eine tiefe emotionale Verzweiflung, die durch die Hoffnung auf ein schmerzfreies Dasein nach dem Tod gemildert wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Hüllt, ihr Wolken, hüllt den Schein Immer tiefer, tiefer ein!
- Metapher
- Selig, selig werd′ ich sein
- Personifikation
- Winde flüstern dumpf und bang
- Vergleich
- Nimmt das Strahl der Hoffnung fort, Wie den Mond die Wolke dort