In der Fremde

Joseph von Eichendorff

1833

Ich hör die Bächlein rauschen Im Walde her und hin, Im Walde in dem Rauschen Ich weiß nicht, wo ich bin.

Die Nachtigallen schlagen Hier in der Einsamkeit, Als wollten sie was sagen Von der alten, schönen Zeit.

Die Mondesschimmer fliegen, Als säh ich unter mir Das Schloß im Tale liegen, Und ist doch so weit von hier!

Als müßte in dem Garten Voll Rosen weiß und rot, Meine Liebste auf mich warten, Und ist doch lange tot.

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Illustration zu In der Fremde

Interpretation

Das Gedicht "In der Fremde" von Joseph von Eichendorff handelt von einem Menschen, der sich in einer fremden Umgebung befindet und sich verloren fühlt. Die Naturgeräusche, wie das Rauschen der Bächlein und das Schlagen der Nachtigallen, verstärken dieses Gefühl der Desorientierung und Einsamkeit. Der Sprecher weiß nicht, wo er sich befindet und wird von einer Sehnsucht nach der Vergangenheit übermannt. Die zweite Strophe beschreibt die Sehnsucht nach der "alten, schönen Zeit", die durch das Schlagen der Nachtigallen symbolisiert wird. Die Nachtigallen scheinen etwas von dieser Zeit erzählen zu wollen, was den Sprecher noch melancholischer stimmt. Die Erinnerungen an die Vergangenheit sind schmerzhaft, da sie unerreichbar scheinen. In der dritten Strophe wird die Illusion der Nähe zu einem Schloss im Tal beschrieben, das durch das Mondlicht entsteht. Der Sprecher glaubt, das Schloss unter sich zu sehen, obwohl es in Wirklichkeit weit entfernt ist. Diese optische Täuschung verstärkt das Gefühl der Sehnsucht und des Verlustes. Die letzte Strophe offenbart den tiefsten Schmerz des Sprechers. Er stellt sich vor, dass seine Geliebte im Garten voller Rosen auf ihn wartet, obwohl sie schon lange tot ist. Diese Vorstellung verdeutlicht die Unerreichbarkeit der Vergangenheit und die tiefe Trauer, die der Sprecher empfindet. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit und der Erkenntnis, dass die Vergangenheit unwiederbringlich verloren ist.

Schlüsselwörter

rauschen walde weiß hör bächlein her hin nachtigallen

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Stilmittel

Anapher
Ich hör die Bächlein rauschen / Im Walde her und hin, / Im Walde in dem Rauschen
Enjambement
Ich weiß nicht, wo ich bin. / Die Nachtigallen schlagen
Kontrast
Und ist doch lange tot.
Metapher
Die Mondesschimmer fliegen
Personifikation
Die Nachtigallen schlagen / Hier in der Einsamkeit, / Als wollten sie was sagen
nten blieb, Sie ruft dich sanft zurück
Symbolik
Der Eichenbaum wuchs dort so hoch, die Veilchen nickten sanft
Wiederholung
Es war ein Traum