In der Fremde
1797Es treibt dich fort von Ort zu Ort, Du weißt nicht mal warum; Im Winde klingt ein sanftes Wort, Schaust dich verwundert um.
Die Liebe, die dahinten blieb, Sie ruft dich sanft zurück: O komm zurück, ich hab dich lieb, Du bist mein einz’ges Glück!
Doch weiter, weiter, sonder Rast, Du darfst nicht stillestehn; Was du so sehr geliebet hast, Sollst du nicht wiedersehn.
Du bist ja heut so grambefangen, Wie ich dich lange nicht geschaut! Es perlet still von deinen Wangen, Und deine Seufzer werden laut.
Denkst du der Heimat, die so ferne, So nebelferne dir verschwand? Gestehe mir’s, du wärest gerne Manchmal im teuren Vaterland.
Denkst du der Dame, die so niedlich Mit kleinem Zürnen dich ergötzt? Oft zürntest du, dann ward sie friedlich, Und immer lachtet ihr zuletzt.
Denkst du der Freunde, die da sanken An deine Brust, in großer Stund’? Im Herzen stürmten die Gedanken, Jedoch verschwiegen blieb der Mund.
Denkst du der Mutter und der Schwester? Mit beiden standest du ja gut. Ich glaube gar, es schmilzt, mein Bester, In deiner Brust der wilde Mut!
Denkst du der Vögel und der Bäume Des schönen Gartens, wo du oft Geträumt der Liebe junge Träume, Wo du gezagt, wo du gehofft?
Es ist schon spät. Die Nacht ist helle, Trübhell gefärbt vom feuchten Schnee. Ankleiden muß ich mich nun schnelle Und in Gesellschaft gehn. O weh!
Ich hatte einst ein schönes Vaterland. Der Eichenbaum Wuchs dort so hoch, die Veilchen nickten sanft. Es war ein Traum.
Das küßte mich auf deutsch, und sprach auf deutsch (Man glaubt es kaum, Wie gut es klang) das Wort: “Ich liebe dich!” Es war ein Traum.
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Interpretation
Das Gedicht "In der Fremde" von Heinrich Heine handelt von der Sehnsucht und dem Heimweh eines Wanderers, der von Ort zu Ort getrieben wird, ohne zu wissen, warum. Die Liebe, die zurückgeblieben ist, ruft ihn sanft zurück, aber er darf nicht stillstehen und darf nicht wiedersehen, was er so sehr geliebt hat. In der zweiten Strophe wird der Wanderer als grambefangen und sehnsüchtig beschrieben. Er denkt an die ferne Heimat, die Dame, die Freunde, die Mutter und Schwester, die Vögel und Bäume des schönen Gartens. Die Nacht ist hell und der Wanderer muss sich schnell ankleiden, um in Gesellschaft zu gehen. In der dritten Strophe erinnert sich der Wanderer an sein schönes Vaterland, wo die Eichen hoch wuchsen und die Veilchen sanft nickten. Es war ein Traum, als er auf Deutsch geküsst und "Ich liebe dich" gesagt bekam. Es war ein Traum, der nun in der Ferne liegt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Denkst du der Heimat, die so ferne, So nebelferne dir verschwand?
- Hyperbel
- Mit beiden standest du ja gut
- Kontrast
- Oft zürntest du, dann ward sie friedlich
- Metapher
- Es treibt dich fort von Ort zu Ort
- Wiederholung
- Es war ein Traum