In deinem Zimmer
1890In deinem Zimmer fand ich meine Stätte, In deinem Zimmer weiß ich, wer ich bin. Ich liege tagelang in deinem Bette Und schmiege meinen Körper an dich hin.
Ich fühle Tage wechseln und Kalender Am Laken, das uns frisch bereitet liegt, Ich staune manchmal still am Bettgeländer, Wie himmlisch lachend man die Zeit besiegt.
Bisweilen steigt aus fernen Straßen unten Ein Ton zu unserm Federwolkenraum, Den schlingen wir verschlafen in die bunten Gobelins, gewirkt aus Küssen, Liebe, Traum.
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Interpretation
Das Gedicht "In deinem Zimmer" von Ernst Wilhelm Lotz beschreibt die tiefe Verbundenheit und Identitätsfindung des lyrischen Ichs in der intimen Umgebung des Zimmers der Geliebten. Der erste Vers betont, dass das Zimmer zu einem Ort der Zugehörigkeit und Selbstfindung geworden ist, was durch die Zeilen "In deinem Zimmer fand ich meine Stätte, In deinem Zimmer weiß ich, wer ich bin" verdeutlicht wird. Die körperliche Nähe und das Liegen im Bett der Geliebten symbolisieren eine vollkommene Verschmelzung der beiden Personen. Im zweiten Abschnitt wird die Zeit als ein Element dargestellt, das in diesem Raum eine besondere Bedeutung erhält. Die Tage vergehen, und das Laken, das stets frisch bereitet wird, symbolisiert die Kontinuität und den Komfort der Beziehung. Die Zeit wird als etwas Himmlisches und Überwindbares empfunden, was die Intensität und die Tiefe der Liebe unterstreicht. Der letzte Abschnitt führt einen Kontrast zwischen der inneren Welt des Zimmers und der äußeren Welt ein. Ein Ton aus der Ferne dringt in den "Federwolkenraum" ein, wird jedoch von den Liebenden in ihre eigene, aus Küssen, Liebe und Träumen gewobene Welt integriert. Dies symbolisiert, wie die äußere Realität durch die Intimität und die Liebe der beiden Personen transformiert und in ihre eigene, bunte Welt eingebunden wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Den schlingen wir verschlafen in die bunten Gobelins, gewirkt aus Küssen, Liebe, Traum
- Personifikation
- Wie himmlisch lachend man die Zeit besiegt