In das Stammbuch eines Freundes

Joseph Christian von Zedlitz

1837

Daß Dir zum Ernste des Lebens die Lust an den Spielen der Musen Freundliche Götter gewährt, Schönes dem Guten gesellt: Nicht die schlechteste Gabe der Himmlischen ist′s, und Du selber Freue Dich deß, in der Brust blüht Dir ein ewiger Lenz! Früchte des Herbstes gewinnt auch ein Anderer; Fülle der Aehren Wogt ihm entgegen, der Wein quillt ihm vom Hügel herab. Doch nie sah er die Rosen des Mai′s, nie hört er aus Waldnacht Flötender Nachtigall wonnige Brautmelodie! Sommer entflieht ihm und Herbst, es kündet den Winter der Eishauch, Hin ist das Jahr und er hat – ach! nicht den Frühling geschaut!

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Interpretation

Das Gedicht "In das Stammbuch eines Freundes" von Joseph Christian von Zedlitz ist eine Ode an die Schönheit der Kunst und der Natur. Es preist die Gabe, Freude an den "Spielen der Musen" zu haben, als eine der besten Gaben der Götter. Der Dichter wünscht seinem Freund, dass er sich über diese Gabe freuen und einen ewigen Frühling in seiner Brust erleben möge. Er kontrastiert dies mit dem Schicksal eines anderen, der zwar die Früchte des Herbstes erntet, aber die Schönheit des Frühlings und die Melodien der Nachtigall verpasst. Der Dichter bedauert, dass dieser Mensch den Winter und das Ende des Jahres erlebt, ohne jemals den Frühling gesehen zu haben.

Schlüsselwörter

nie ernste lebens lust spielen musen freundliche götter

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Stilmittel

Hyperbel
Hin ist das Jahr und er hat – ach! nicht den Frühling geschaut
Kontrast
Früchte des Herbstes gewinnt auch ein Anderer; Fülle der Aehren Wogt ihm entgegen
Metapher
Sommer entflieht ihm und Herbst, es kündet den Winter der Eishauch
Personifikation
Flötender Nachtigall wonnige Brautmelodie