In das Stammbuch einer Freundin
1859Sitzen die Lieben vereint im traulichen Kreis, Cölestine, Halt′ einen Stuhl unbesetzt für den geschiedenen Freund. Ruhelos irrt er ja immer, Du weißt es. Bald rennet der Kopf ihm Mit dem Herzen davon, bald mit dem Kopfe das Herz. Darum sorge für ihn, Du freundlich gesinnte Cölesta, Daß ihm ein lediger Sitz bleib′ in dem Kreise bewahrt; Kehrt er ermüdet und sieht, wie umsonst er gestrebt, o gewiß, dann Thut ihm ein traulicher Sitz unter Befreundeten wohl!
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "In das Stammbuch einer Freundin" von Joseph Christian von Zedlitz thematisiert die Sehnsucht und die Unruhe eines Freundes, der in Gedanken und Gefühlen ständig zwischen Kopf und Herz hin- und hergerissen ist. Der Sprecher bittet die Freundin Cölestine, für diesen "geschiedenen Freund" einen Platz in ihrem Kreis freizuhalten, da er ruhelos umherirrt und sich in seinen Bestrebungen oft erschöpft. Der Freund wird als jemand dargestellt, der unausgeglichen ist und zwischen rationalen Gedanken und emotionalen Impulsen schwankt, was seine Rastlosigkeit und seinen Mangel an innerer Harmonie verdeutlicht. Der Sprecher appelliert an Cölestine, den Freund nicht zu vergessen und ihm einen "ledigen Sitz" in ihrem Kreis zu bewahren. Dies symbolisiert die Verbundenheit und das Verständnis, das der Freund in dieser Gemeinschaft sucht. Der unbesetzte Stuhl steht dabei für die Hoffnung und die Möglichkeit, dass der Freund eines Tages zurückkehren und Trost und Geborgenheit in der Gemeinschaft finden kann. Der Sprecher betont die Wichtigkeit, dass Cölestine für den Freund sorgt, da er sich in seinem unsteten Leben oft einsam und unverstanden fühlt. Das Gedicht endet mit der Aussicht, dass der Freund, wenn er ermüdet und entmutigt von seinen vergeblichen Anstrengungen zurückkehrt, einen "traulichen Sitz unter Befreundeten" als große Erleichterung empfinden wird. Dies unterstreicht die Bedeutung von Freundschaft und Gemeinschaft als Quelle des Trostes und der Unterstützung für den ruhelosen Freund. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Empathie für die inneren Kämpfe des Freundes und die Hoffnung, dass er in der Gemeinschaft der Freunde einen Ort der Ruhe und des Verständnisses finden kann.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Apostrophe
- Cölestine
- Hyperbel
- Ruhelos irrt er ja immer
- Metapher
- Darum sorge für ihn, Du freundlich gesinnte Cölesta, Daß ihm ein lediger Sitz bleib′ in dem Kreise bewahrt
- Personifikation
- Bald rennet der Kopf ihm Mit dem Herzen davon, bald mit dem Kopfe das Herz