In das Album meiner Frau

Friedrich Hebbel

1813

In deiner Seele unbefleckten Adel, In ihrer Unschuld, wurzeln deine Schwächen, Und was die meisten vor gemeinem Tadel Bewahrt, das ist ihr innerstes Gebrechen.

Es könnte einer dir das Leben rauben, Und wäre dir schon halb dein Blut entquollen, So würdest du ihm noch im Sterben glauben, Er hätt′ dir bloß die Ader öffnen wollen.

Will die Natur die Schönheit rein entfalten, So darf sie nichts von ihrem Feind ihr sagen, Sie kann nur dann das Herrlichste gestalten, Doch muß sie seinen Untergang auch wagen.

Oft wünscht′ ich dir zu deinem vollen Frieden, Du möchtest in der Brust des Feindes lesen, Doch weiß ich wohl, es wird dir nicht beschieden, Denn dieser Mangel trägt dein ganzes Wesen!

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Illustration zu In das Album meiner Frau

Interpretation

Das Gedicht "In das Album meiner Frau" von Friedrich Hebbel handelt von den zwiespältigen Eigenschaften der Frau des Dichters. Es preist ihre Unschuld und Reinheit, die jedoch auch ihre Schwächen bedingen. Die Naivität und Gutgläubigkeit der Frau werden als innere Gebrechen beschrieben, die sie vor gemeinem Tadel bewahren, aber auch verwundbar machen. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Unschuld der Frau als zweischneidiges Schwert dargestellt. Sie ist so vertrauensvoll und gutgläubig, dass sie sogar ihrem Mörder im Sterben noch Glauben schenken würde. Dies verdeutlicht die Gefahr, die in ihrer Naivität liegt. Im letzten Teil reflektiert der Dichter über den Wunsch, seiner Frau Einblick in die Herzen anderer zu gewähren, um sie vor Enttäuschungen zu bewahren. Doch er erkennt, dass diese Eigenschaft, die sie so verletzlich macht, untrennbar mit ihrer ganzen Persönlichkeit verbunden ist und sie nicht verändert werden kann. Die Unschuld und Gutgläubigkeit sind somit sowohl ihre größte Stärke als auch ihre größte Schwäche.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Antithese
[In deiner Seele unbefleckten Adel, In ihrer Unschuld, wurzeln deine Schwächen Sie kann nur dann das Herrlichste gestalten, Doch muß sie seinen Untergang auch wagen]
Bildlichkeit
[In deiner Seele unbefleckten Adel In ihrer Unschuld, wurzeln deine Schwächen Und wäre dir schon halb dein Blut entquollen So darf sie nichts von ihrem Feind ihr sagen Sie kann nur dann das Herrlichste gestalten Doch weiß ich wohl, es wird dir nicht beschieden]
Hyperbel
[Und wäre dir schon halb dein Blut entquollen So würdest du ihm noch im Sterben glauben]
Metapher
[In deiner Seele unbefleckten Adel In ihrer Unschuld, wurzeln deine Schwächen So darf sie nichts von ihrem Feind ihr sagen Denn dieser Mangel trägt dein ganzes Wesen]
Personifikation
[Will die Natur die Schönheit rein entfalten Sie kann nur dann das Herrlichste gestalten]