In Danzig

Joseph von Eichendorff

1842

Dunkle Giebel, hohe Fenster, Türme wie aus Nebel sehn. Bleiche Statuen wie Gespenster Lautlos an den Türen stehn.

Träumerisch der Mond drauf scheinet, Dem die Stadt gar wohl gefällt, Als läg′ zauberhaft versteinet Drunten eine Märchenwelt.

Ringsher durch das tiefe Lauschen, Über alle Häuser weit, Nur des Meeres fernes Rauschen. Wunderbare Einsamkeit!

Und der Türmer wie vor Jahren singet ein uraltes Lied: Wolle Gott den Schiffer wahren, Der bei Nacht vorüberzieht.

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Illustration zu In Danzig

Interpretation

Das Gedicht "In Danzig" von Joseph von Eichendorff zeichnet ein atmosphärisches Bild der Stadt Danzig bei Nacht. Die dunklen Giebel und hohen Fenster, sowie die aus Nebel erscheinenden Türme vermitteln eine geheimnisvolle und fast unwirkliche Stimmung. Die bleichen Statuen, die wie Gespenster lautlos an den Türen stehen, verstärken diesen Eindruck einer verzauberten, märchenhaften Welt, die von dem träumerischen Mondlicht sanft beleuchtet wird. Die Stadt scheint unter einem Bann zu stehen, als wäre sie zu Stein erstarrt und in eine märchenhafte Welt verwandelt worden. Die tiefe Stille, unterbrochen nur vom fernen Rauschen des Meeres, schafft eine wunderbare Einsamkeit, die den Betrachter in ihren Bann zieht. Diese Stille wird durch den Gesang des Türmer durchbrochen, der ein uraltes Lied anstimmt und so eine Verbindung zur Vergangenheit herstellt. Der Gesang des Türmer, der Gott bittet, die Schiffer zu bewahren, die bei Nacht vorüberziehen, fügt dem Gedicht eine zusätzliche Ebene der Sehnsucht und des Schutzes hinzu. Es unterstreicht die Verbundenheit der Stadt mit dem Meer und den Reisenden, die durch die Nacht ziehen. Das Gedicht vermittelt somit nicht nur eine visuelle, sondern auch eine akustische und emotionale Landschaft, die den Leser in eine Welt der Träume und der Einsamkeit entführt.

Schlüsselwörter

dunkle giebel hohe fenster türme nebel sehn bleiche

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Stilmittel

Alliteration
Meeres fernes Rauschen
Kontrast
Und der Türmer wie vor Jahren singet ein uraltes Lied
Metapher
Wunderbare Einsamkeit
Personifikation
Ringsher durch das tiefe Lauschen
Vergleich
Bleiche Statuen wie Gespenster