Immer neue Küsse gib

Max Dauthendey

1867

Küß mich auf den Mund, mein Lieb, Immer neue Küsse gib. Welkt am Weinstock Blatt um Blatt, Man den Most im Keller hat.

Ach, das Leben ist versüßt Dem, der sich durchs Leben küßt. Wer verkennt des Jahres Zweck, Dem nur schenkt der Herbst den Dreck.

Liebste, drück mir auf den Mund Küsse wie die Blätter bunt, Küsse wie der junge Most, Und berauscht leb′ ich getrost.

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Illustration zu Immer neue Küsse gib

Interpretation

Das Gedicht "Immer neue Küsse gib" von Max Dauthendey handelt von der Lebendigkeit und der Freude, die durch Küsse und Liebe im Leben entstehen können. Der Sprecher bittet seine Geliebte, ihn stets auf den Mund zu küssen und ihm neue Küsse zu geben. Diese Aufforderung wird mit der Metapher des Weinbergs und des Weins verglichen. So wie die Blätter am Weinstock abfallen, aber der Most im Keller bleibt, so soll auch die Liebe und Leidenschaft zwischen den Liebenden bestehen bleiben, auch wenn die äußeren Umstände sich ändern. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Bedeutung von Liebe und Küsse für das Leben betont. Der Sprecher sagt, dass das Leben für denjenigen versüßt ist, der sich durchs Leben küsst. Wer die Bedeutung des Jahres nicht erkennt und die Liebe nicht wertschätzt, dem schenkt der Herbst nur Dreck. Hier wird deutlich, dass der Herbst als Symbol für das Alter oder den Tod steht und dass die Liebe und die Küsse die einzige Möglichkeit sind, dem Leben einen Sinn zu geben und es zu genießen. Im letzten Teil des Gedichts bittet der Sprecher seine Geliebte erneut, ihn auf den Mund zu küssen. Diesmal werden die Küsse mit den bunten Blättern und dem jungen Most verglichen. Die Vielfalt und die Intensität der Küsse sollen dem Sprecher Mut machen, das Leben sorglos und berauscht zu genießen. Es wird deutlich, dass die Liebe und die Küsse für den Sprecher eine Quelle der Kraft und des Glücks sind, die ihm helfen, das Leben in vollen Zügen zu genießen.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildlichkeit
Küsse wie die Blätter bunt, / Küsse wie der junge Most
Kontrast
Ach, das Leben ist versüßt / Dem, der sich durchs Leben küßt
Lebensweisheit
Wer verkennt des Jahres Zweck, / Dem nur schenkt der Herbst den Dreck
Metapher
Welkt am Weinstock Blatt um Blatt, / Man den Most im Keller hat
Reimschema
AABB
Wiederholung
Küß mich auf den Mund, mein Lieb, / Immer neue Küsse gib