Im Zecherkreis

Wilhelm Arent

1885

Nacht ist’s. Trüb’ flackert der Ampeln Licht, Des Mondes Schein durch die Fenster bricht. Wir sitzen im Kreis beim festlichen Mahl, Von Hand zu Hand geht der duftige Pokal. Wild-üppige Zecher sind wir zumeist, Manches Witzwort sprüht von Geist zu Geist. Dazwischen tönt der Dirnen Gelach, Das klingt so gell, das klingt so jach … O tolles Schwelgen im Ueberfluß! Immer süßer berauscht uns der Dämon Genuß. Ob auch in nächster Stunde vielleicht Der Tod über unsere Häupter streicht: Uns kümmert es nicht. Brust wogend an Brust – So lasst uns sterben im Taumel der Lust!

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Illustration zu Im Zecherkreis

Interpretation

Das Gedicht "Im Zecherkreis" von Wilhelm Arent schildert eine nächtliche Trinkgelage-Szene, in der sich eine Gruppe von Menschen zu einem festlichen Mahl versammelt hat. Die Atmosphäre ist düster und von flackerndem Licht durchflutet, was eine geheimnisvolle und leicht unheimliche Stimmung erzeugt. Die Teilnehmer sitzen im Kreis und reichen sich einen duftigen Pokal, was auf eine gemeinschaftliche und ausgelassene Stimmung hindeutet. Die Anwesenheit von Dirnen und ihr gellendes Gelächter tragen zur wilden und ungezügelten Atmosphäre bei. Die Stimmung im Zecherkreis ist von wildem Übermut und geistvollem Wortwitz geprägt. Die Teilnehmer sind "wild-üppige Zecher", die sich in einem Zustand der Trunkenheit befinden und sich von der Realität entfremdet haben. Der "Dämon Genuß" berauscht sie immer süßer, was auf eine Sucht nach Vergnügen und ein Streben nach Extremerlebnissen hindeutet. Die Anwesenheit der Dirnen und ihr gellendes Gelächter unterstreichen die Ausschweifung und den moralischen Verfall der Gruppe. Trotz der möglichen Konsequenzen, wie dem nahenden Tod, scheint die Gruppe unbekümmert und sorglos zu sein. Die Zeile "Ob auch in nächster Stunde vielleicht / Der Tod über unsere Häupter streicht" deutet darauf hin, dass die Teilnehmer sich der Gefahr bewusst sind, aber dennoch nicht bereit sind, ihr ausschweifendes Verhalten aufzugeben. Die letzte Strophe "Brust wogend an Brust – / So lasst uns sterben im Taumel der Lust!" drückt eine Art morbide Akzeptanz des Todes aus, solange er im Rausch der Lust und des Vergnügens geschieht. Das Gedicht zeichnet somit ein Bild von ausschweifendem Lebensgenuss, der bis zum bitteren Ende zelebriert wird.

Schlüsselwörter

hand geist klingt brust nacht trüb flackert ampeln

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Wild-üppige Zecher
Enjambement
Nacht ist's. Trüb' flackert der Ampeln Licht, Des Mondes Schein durch die Fenster bricht.
Hyperbel
Ob auch in nächster Stunde vielleicht Der Tod über unsere Häupter streicht
Kontrast
Nacht ist's. Trüb' flackert der Ampeln Licht
Metapher
Der Dämon Genuß
Personifikation
Des Mondes Schein durch die Fenster bricht
Wortwiederholung
klingt so gell, das klingt so jach