Nacht ist’s. Trüb‘ flackert der Ampeln Licht,
Des Mondes Schein durch die Fenster bricht.
Wir sitzen im Kreis beim festlichen Mahl,
Von Hand zu Hand geht der duftige Pokal.
Wild-üppige Zecher sind wir zumeist,
Manches Witzwort sprüht von Geist zu Geist.
Dazwischen tönt der Dirnen Gelach,
Das klingt so gell, das klingt so jach …
O tolles Schwelgen im Ueberfluß!
Immer süßer berauscht uns der Dämon Genuß.
Ob auch in nächster Stunde vielleicht
Der Tod über unsere Häupter streicht:
Uns kümmert es nicht. Brust wogend an Brust –
So lasst uns sterben im Taumel der Lust!
Im Zecherkreis
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Im Zecherkreis“ von Wilhelm Arent zeichnet ein düsteres Bild eines ausschweifenden Gelages in nächtlicher Atmosphäre. Es beschreibt eine Gruppe von Zechern, die sich in einem Zustand der Exzessivität und des Hedonismus befinden. Die Szenerie ist geprägt von flackerndem Licht, Wein und dem ausgelassenen Treiben der Gesellschaft, in der die Grenzen zwischen Ernst und Unbekümmertheit verschwimmen. Die Verwendung von Adjektiven wie „wild-üppig“ und die Betonung des Genusses deuten auf eine gewisse Dekadenz hin, die durch die Anwesenheit von Dirnen und deren „gell, jach“ klingendes Gelächter noch verstärkt wird.
Die zentrale Botschaft des Gedichts ist die Ignoranz der Zecher gegenüber dem Tod, die sich in der Zeile „Ob auch in nächster Stunde vielleicht / Der Tod über unsere Häupter streicht: / Uns kümmert es nicht“ manifestiert. Diese Gleichgültigkeit gegenüber der Sterblichkeit ist Ausdruck einer Lebenshaltung, die sich ganz dem gegenwärtigen Moment und der Befriedigung der eigenen Bedürfnisse verschrieben hat. Der Genuss wird zum Dämon, der die Zecher in einen Zustand der Trunkenheit und Selbstvergessenheit versetzt. Diese Haltung deutet auf eine tiefe Verzweiflung und ein Gefühl der Sinnlosigkeit hin, das durch die exzessiven Handlungen versucht wird zu betäuben.
Die formale Gestaltung des Gedichts, insbesondere der Reimrhythmus und die Verwendung von Enjambements, trägt zur Verstärkung der Atmosphäre bei. Die fließenden Verse und die eingängigen Reime erzeugen einen Sog, der die Leser in die Welt der Zecher hineinzieht. Gleichzeitig verleiht die Struktur dem Gedicht eine gewisse Melancholie, die den Kontrast zwischen dem wilden Treiben und der Ahnung des Todes noch verstärkt. Der „duftige Pokal“, der von Hand zu Hand geht, symbolisiert die Gemeinschaft und den Rausch, während der „Mondes Schein“ durch die Fenster einen Hauch von Romantik in die Szene bringt, der jedoch vom Exzess des Gelages überschattet wird.
Das Gedicht lässt sich als eine Kritik an der gesellschaftlichen Dekadenz interpretieren. Die Zecher, die sich dem „Taumel der Lust“ hingeben, scheinen jegliche moralische und ethische Werte verloren zu haben. Der Wunsch, „im Taumel der Lust“ zu sterben, drückt eine gewisse Verzweiflung und Resignation aus, die auf die Leere des Lebens hinweist, das durch exzessiven Genuss versucht wird zu füllen. Arents Gedicht spiegelt somit eine pessimistische Sicht auf die menschliche Natur und die Vergänglichkeit des Lebens wider, die durch die Beschreibung des ausschweifenden Gelages veranschaulicht wird.
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