Umfließt mich Duftwogen
Des wallenden Aethers,
Gießt göttlichen Odem’s
Anhauch und Leben
In’s innerste Mark mir!
Durchschau’rt jeden Nerv
Mit sonntrunkener Andacht!
Laßt hinab mich tauchen
In himmlische Lichtsphär‘!
Umarme mich brünstig
Du seliges Schweigen
Unendlicher Liebe! …
Hinstirbt die Sehnsucht,
Die ewige Sehnsucht
Der erdkranken Seele.
Gesprengt sind die Bande
Der sterblichen Hülle,
Ertödtet die wilden
Dämonen des Fleisches.
Dann werd‘ ich dich schauen,
Ganz schauen und fühlen,
Erlöser und Allgott,
Mit Sonnen und Sternen
Im Schooße dir liegen
Und träumen, was du träumst.
Dann stillst du die brennenden
Schmerzen des Müden,
Dann stillst du den Durst,
Den unersättlichen Durst
Nach ewiger Tröstung,
Dann labt mich dein Auge,
Dein lichtspendend Auge,
Du Urquell der Gnade,
Dann zerfließ‘ ich im Weihkuß
Deiner Seelenumarmung,
Du allmächtige Selbstkraft!
Im wallenden Aether
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Im wallenden Aether“ von Wilhelm Arent ist eine hymnische Ode an die Sehnsucht nach spiritueller Erhebung und Vereinigung mit dem Göttlichen. Es drückt den Wunsch nach Befreiung von irdischen Beschränkungen und die Hinwendung zu einem Zustand vollkommener Ruhe und Liebe aus. Der Text ist reich an Bildern der Auflösung und des Verschmelzens, was auf eine tiefe spirituelle Erfahrung hindeutet. Die Sprache ist pathetisch und verwendet eine Vielzahl von Bildern und Anrufungen, um die Intensität der Sehnsucht und die Erhabenheit des ersehnten Zustands zu unterstreichen.
Das Gedicht beginnt mit dem Aufruf, von „Duftwogen“ des Äthers umflossen zu werden, was eine Sinneserfahrung des Eintauchens in eine transzendente Sphäre suggeriert. Der „göttliche Odem“ und das „Leben“ sollen in das „innerste Mark“ eindringen und jede Faser des Seins durchdringen. Diese Eröffnung etabliert den zentralen Wunsch des Sprechers: eine Auflösung der individuellen Identität und eine Verschmelzung mit einer allumfassenden göttlichen Kraft. Die Sehnsucht nach dem „seligen Schweigen unendlicher Liebe“ deutet auf ein Streben nach Ruhe und Trost hin, das über das irdische Leid hinausgeht.
Der zweite Teil des Gedichts beschreibt den ersehnten Zustand nach dem Tod, in dem die „Sehnsucht der erdkranken Seele“ endlich stirbt. Die „Bande der sterblichen Hülle“ werden gesprengt, und die „Dämonen des Fleisches“ getötet, was die Überwindung der irdischen Beschränkungen und die Befreiung von Leid und Begierden symbolisiert. In diesem Zustand kann der Sprecher den „Erlöser und Allgott“ schauen und fühlen, inmitten von „Sonnen und Sternen“, was auf eine kosmische Vereinigung hindeutet. Die wiederholte Verwendung des Wortes „Dann“ betont die erwartete Erfüllung und das Ende des Leidens.
Die abschließenden Verse verdeutlichen die ersehnte Erlösung. Der „brennende Schmerz“ und der „unersättliche Durst“ werden gestillt, und der Sprecher wird von dem „lichtspendenden Auge“ des Göttlichen gelabt. Die letzte Zeile, „Dann zerfließ‘ ich im Weihkuß Deiner Seelenumarmung, Du allmächtige Selbstkraft!“, kulminiert in der erhofften absoluten Verschmelzung mit der göttlichen Kraft. Die Sprache des Gedichts ist von einer tiefen Sehnsucht nach Erlösung, Ruhe und dem Ende des irdischen Leidens geprägt, und es feiert die Aussicht auf eine vollkommene Vereinigung mit dem Göttlichen.
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Lizenz und Verwendung
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