Im wallenden Aether

Wilhelm Arent

1885

Umfließt mich Duftwogen Des wallenden Aethers, Gießt göttlichen Odem’s Anhauch und Leben In’s innerste Mark mir! Durchschau’rt jeden Nerv Mit sonntrunkener Andacht! Laßt hinab mich tauchen In himmlische Lichtsphär’! Umarme mich brünstig Du seliges Schweigen Unendlicher Liebe! … Hinstirbt die Sehnsucht, Die ewige Sehnsucht Der erdkranken Seele. Gesprengt sind die Bande Der sterblichen Hülle, Ertödtet die wilden Dämonen des Fleisches. Dann werd’ ich dich schauen, Ganz schauen und fühlen, Erlöser und Allgott, Mit Sonnen und Sternen Im Schooße dir liegen Und träumen, was du träumst. Dann stillst du die brennenden Schmerzen des Müden, Dann stillst du den Durst, Den unersättlichen Durst Nach ewiger Tröstung, Dann labt mich dein Auge, Dein lichtspendend Auge, Du Urquell der Gnade, Dann zerfließ’ ich im Weihkuß Deiner Seelenumarmung, Du allmächtige Selbstkraft!

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Im wallenden Aether

Interpretation

Das Gedicht "Im wallenden Aether" von Wilhelm Arent ist eine tiefspirituelle und sinnliche Auseinandersetzung mit der Sehnsucht nach göttlicher Erleuchtung und Erlösung. Der Sprecher beschreibt eine intensive Erfahrung, in der er von den "Duftwogen" des Aethers umfangen wird, was eine Art mystische Versenkung oder Ekstase andeutet. Diese Erfahrung wird als lebensspendend und durchdringend beschrieben, die jeden Nerv mit "sonntrunkener Andacht" erfüllt. Der Sprecher sehnt sich danach, in die "himmlische Lichtsphäre" hinabzutauchen und von der "unendlichen Liebe" umarmt zu werden. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Transformation des Sprechers beschrieben. Die "ewige Sehnsucht der erdkranken Seele" stirbt, und die Bande der sterblichen Hülle werden gesprengt. Die "wilden Dämonen des Fleisches" werden erdolcht, was auf eine Überwindung der irdischen Begierden und Begrenzungen hindeutet. Der Sprecher strebt danach, den Erlöser und Allgott zu schauen und zu fühlen, und sich in dessen Schoß mit Sonnen und Sternen zu vereinen. Dies symbolisiert eine Verschmelzung mit dem Göttlichen und eine Teilhabe an dessen Träumen und Wesen. Im letzten Teil des Gedichts wird die Erfüllung dieser Sehnsucht beschrieben. Der Sprecher wird von den brennenden Schmerzen und dem unstillbaren Durst nach ewiger Tröstung erlöst. Das Auge des Göttlichen, als "Lichtsphäre der Gnade" beschrieben, labt und erquickt ihn. Schließlich zerfließt der Sprecher im "Weihkuß" der "Seelenumarmung" der allmächtigen Selbstkraft, was eine vollkommene Vereinigung und Auflösung in der göttlichen Liebe und Macht darstellt. Das Gedicht vermittelt somit eine tiefe spirituelle Erfahrung, die von Sehnsucht, Transformation und letztendlicher Vereinigung mit dem Göttlichen geprägt ist.

Schlüsselwörter

sehnsucht schauen stillst durst auge umfließt duftwogen wallenden

Wortwolke

Wortwolke zu Im wallenden Aether

Stilmittel

Alliteration
Umarme mich brünstig Du seliges Schweigen
Hyperbel
Unendlicher Liebe
Metapher
Du allmächtige Selbstkraft
Personifikation
Durchschau'rt jeden Nerv mit sonntrunkener Andacht