Im Volkston

Theodor Storm

1888

1

Als ich dich kaum gesehn, Mußt es mein Herz gestehn, Ich könnt dir nimmermehr Vorübergehn.

Fällt nun der Sternenschein Nachts in mein Kämmerlien, Lieg ich und schlafe nicht Und denke dein.

Ist doch die Seele mein So ganz geworden dein, Zittert in deiner Hand, Tu ihr kein Leid!

2

Einen Brief soll ich schreiben Meinem Schatz in der Fern′; Sie hat mich gebeten, Sie hätt′s gar zu gern.

Da lauf ich zum Krämer, Kauf Tint′ und Papier Und schneid mir ein′ Feder, Und sitz nun dahier.

Als wir noch mitsammen Uns lustig gemacht, Da haben wir nimmer Ans Schreiben gedacht.

Was hilf mir nun Feder Und Tint′ und Papier! Du weißt, die Gedanken Sind allzeit bei dir.

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Illustration zu Im Volkston

Interpretation

Das Gedicht "Im Volkston" von Theodor Storm handelt von der tiefen Liebe und Sehnsucht des lyrischen Ichs nach einer geliebten Person. In der ersten Strophe drückt der Sprecher aus, dass er die Person, über die er schreibt, kaum gesehen hat, aber sein Herz gesteht, dass er ihr nie mehr begegnen könnte, ohne von ihr beeinflusst zu werden. Die zweite Strophe beschreibt, wie der Sprecher nachts im Mondschein in seinem Zimmer liegt und nicht schlafen kann, weil er an die geliebte Person denkt. Die dritte Strophe verdeutlicht, dass die Seele des Sprechers ganz der geliebten Person gehört und in deren Hand zittert, wobei er sie bittet, ihr kein Leid zuzufügen. In der zweiten Hälfte des Gedichts geht es um das Schreiben eines Briefes an die Geliebte, die sich in der Ferne befindet. Der Sprecher beschreibt, wie er zum Krämer geht, um Tinte und Papier zu kaufen, sich eine Feder schneidet und sich nun hinsetzt, um den Brief zu schreiben. Er erinnert sich daran, wie sie früher zusammen lustige Zeiten hatten und nie ans Schreiben dachten. Doch nun, da er Feder, Tinte und Papier hat, fragt er sich, was ihm das alles nützt, da er weiß, dass seine Gedanken immer bei der Geliebten sind. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine tiefe emotionale Verbindung zwischen dem lyrischen Ich und der geliebten Person. Es drückt die Sehnsucht, die Gedanken und die innige Verbundenheit aus, die trotz der physischen Distanz bestehen. Das Schreiben des Briefes wird als Versuch dargestellt, die Gefühle auszudrücken, aber letztendlich wird deutlich, dass die Gedanken und die Liebe unabhängig von äußeren Mitteln bestehen bleiben.

Schlüsselwörter

schreiben tint papier feder kaum gesehn mußt herz

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Stilmittel

Anapher
Da lauf ich zum Krämer, / Kauf Tint′ und Papier
Ironie
Was hilf mir nun Feder / Und Tint′ und Papier! / Du weißt, die Gedanken / Sind allzeit bei dir
Kontrast
Als wir noch mitsammen / Uns lustig gemacht, / Da haben wir nimmer / Ans Schreiben gedacht
Metapher
Fällt nun der Sternenschein / Nachts in mein Kämmerlien
Personifikation
Zittert in deiner Hand