Im Spiegel

Margarete Beutler

1876

Ach, du Verliebte, wie mein ich mich selber in dir zu erkennen, wenn deine kleinen sehnsüchtigen Füße wandern im Zwielicht! Da wissen die Büsche von Obdach und Zuflucht in Schauer und Dunkel, da lachen die Quellen mit blitzenden Augen und senden dir eifrig das rieselnde Rinnsal, die purzelnden Bäche und stürzenden Wasser, den Durst dir zu löschen!

Da blinzeln die Sterne verschwiegen und lüstern, indessen die Moose gefällig sich ducken, indessen die Meisen die wohlige Wärme im Nestchen dir rühmen, und nur die zwei Igel im Krautwerk dich fauchend und schnaufend verwarnen: “Auch Liebe macht Arbeit.”

Ach du Verliebte, wie mein ich mich selber in dir zu erkennen, wenn deine kleinen sehnsüchtigen Füße wandern im Zwielicht!

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Illustration zu Im Spiegel

Interpretation

Das Gedicht "Im Spiegel" von Margarete Beutler beschreibt die Reise einer verliebten Person durch die Natur und die verschiedenen Reaktionen, die sie dabei hervorruft. Die Natur wird dabei als Spiegel der Gefühle und Erfahrungen der Verliebten dargestellt. Die erste Strophe beschreibt die Sehnsucht und das Wandern der Verliebten im Zwielicht. Die Büsche bieten Obdach und Zuflucht in der Dunkelheit, während die Quellen mit ihren blitzenden Augen eifrig das Wasser senden, um den Durst der Verliebten zu löschen. Die Natur scheint die Sehnsucht der Verliebten zu verstehen und zu unterstützen. In der zweiten Strophe werden die Sterne als verschwiegen und lüstern beschrieben, während die Moose sich gefällig ducken. Die Meisen rühmen die wohlige Wärme im Nestchen, aber nur die Igel warnen die Verliebte mit einem Fauchen und Schnauben: "Auch Liebe macht Arbeit." Die Natur zeigt hier eine ambivalente Reaktion auf die Liebe, sowohl unterstützend als auch warnend. Die letzte Strophe wiederholt die erste und betont erneut die Identifikation des lyrischen Ichs mit der verliebten Person. Die Natur und die Liebe werden als Spiegelbilder dargestellt, in denen sich das lyrische Ich selbst erkennt. Das Gedicht vermittelt somit ein Gefühl der Verbundenheit zwischen Mensch und Natur, wobei die Natur die Gefühle und Erfahrungen der Verliebten widerspiegelt und kommentiert.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
indessen die Moose gefällig sich ducken
Anapher
Ach du Verliebte, wie mein ich mich selber in dir zu erkennen, wenn deine kleinen sehnsüchtigen Füße wandern im Zwielicht!
Bildsprache
und senden dir eifrig das rieselnde Rinnsal, die purzelnden Bäche und stürzenden Wasser
Dialog
"Auch Liebe macht Arbeit."
Metapher
Da lachen die Quellen mit blitzenden Augen
Personifikation
indessen die Meisen die wohlige Wärme im Nestchen dir rühmen