Im Sommer
1780Was, Rose, blühest du so schön Und duftest mir so süße? Was, holder Zephyr, soll dies Weh′n Und Flüstern deiner Küsse? - O Rose! dufte Todten-Duft Dem langgequälten Herzen; Komm, rauher Nord! zerpeitsch′ die Luft Und Zephyrs kos′ges Scherzen.
Zur blassen Todten-Krone nur Kannst du mir, Rose, prangen; Ihr Lüfte, heiße Thränen nur Küßt ihr auf meine Wangen. Weg! – fliehet zu dem falschen Mann, Sag′t ihm von meiner Treue, Und bring′t zu meinem Grabe dann Einst Thränen seiner Reue.
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Interpretation
Das Gedicht "Im Sommer" von Johanna Sophie Dorothea Albrecht beschreibt die innere Zerrissenheit einer leidenden Seele, die den Sommer und seine Schönheit als quälende Erinnerung an ihre eigene Verzweiflung empfindet. Die Rosen und der Zephyr, Symbole für Schönheit und Zärtlichkeit, werden als quälende Reize wahrgenommen, die das Leid der Sprecherin noch verstärken. Die Rose wird als "dufte Todten-Duft" bezeichnet, was ihre Assoziation mit dem Tod und dem Schmerz verdeutlicht. Die Sprecherin sehnt sich nach dem rauen Nordwind, der die sanfte Sommerluft zerpeitschen soll, um die quälenden Erinnerungen an verlorene Liebe und Treue zu vertreiben. Die Rosenpracht wird nur noch als "blasse Todten-Krone" wahrgenommen, ein Symbol für die Endgültigkeit des Todes und die Unfähigkeit, die Vergangenheit zu ändern. Die Lüfte, die einst zärtliche Küsse brachten, werden nun als Tränen auf den Wangen der Sprecherin empfunden, die ihre Trauer und Verzweiflung widerspiegeln. Das Gedicht endet mit einem Appell an die Lüfte, die falsche Liebe zu verlassen und dem untreuen Mann von der Treue der Sprecherin zu berichten. Die Hoffnung auf späte Reue und Tränen am Grab der Sprecherin verdeutlicht die tiefe Verletzung und den Wunsch nach Gerechtigkeit. Die Sommerlandschaft, die einst als idyllisch empfunden wurde, wird zur Kulisse für die innere Zerrissenheit und den Schmerz der Sprecherin.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Apostrophe
- O Rose! dufte Todten-Duft
- Bildsprache
- Ihr Lüfte, heiße Thränen nur / Küßt ihr auf meine Wangen
- Imperativ
- Weg! – fliehet zu dem falschen Mann
- Metonymie
- Zur blassen Todten-Krone nur
- Personifikation
- holder Zephyr