Im römischen Karneval
1813Einst bin ich unterm Maienbaum gelegen, Und, wie ich lag, hat sich ein Wind erhoben! Wie sind die Blüten da um mich gestoben! Wie unermeßlich schien des Frühlings Segen!
Jetzt, deucht mir, seh′ ich einen gleichen Regen, Doch von Gestalten, Licht und Glut gewoben! Als hätten sich die goldnen Sterne droben Geschüttelt, welche alles Höchste pflegen.
Vom stillen Reizenden zum Blendend-Schönen, Es fehlt kein Glied der holden Formenkette, Und meinen Augen scheint sie nicht zu enden,
Drum reicht den Kranz, die Königin zu krönen, Nicht mir; denn eh′ ich sie gefunden hätte, Wär′ er gewiß verwelkt in meinen Händen!
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Interpretation
Das Gedicht "Im römischen Karneval" von Friedrich Hebbel beschreibt einen lebendigen und sinnlichen Karnevalsumzug in Rom, der den Dichter an eine frühere Frühlingserfahrung erinnert. Der Dichter vergleicht die vorbeiziehenden Gestalten mit einem Blütenregen unter einem Maienbaum und empfindet eine ähnliche unermessliche Fülle und Schönheit. Die Karnevalsteilnehmer erscheinen wie aus Licht und Glut gewoben, wie goldene Sterne, die sich geschüttelt haben. Die vorbeiziehenden Gestalten beeindrucken den Dichter durch ihre Vielfalt und Schönheit, von der stillen Anmut bis zur blendenden Pracht. Er beschreibt eine "holde Formenkette", die ihm unendlich erscheint und seine Augen nicht mehr loslässt. Die Pracht des Karnevals überwältigt den Dichter und lässt ihn in eine Art Rausch verfallen. Am Ende des Gedichts reflektiert der Dichter über die Vergänglichkeit der Schönheit. Er fühlt sich nicht in der Lage, die "Königin" des Karnevals zu krönen, da er befürchtet, dass der Kranz, den er ihr reichen würde, bereits verwelkt wäre, bevor er sie gefunden hätte. Dies deutet auf die flüchtige Natur der Schönheit und die Unfähigkeit des Dichters hin, sie vollständig zu erfassen oder zu bewahren.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Und meinen Augen scheint sie nicht zu enden
- Metapher
- Wie sind die Blüten da um mich gestoben!
- Personifikation
- Welche alles Höchste pflegen
- Symbolik
- Goldne Sterne
- Vergleich
- Deucht mir, seh′ ich einen gleichen Regen