Im kurzen Abend

Georg Heym

1912

Im kurzen Abend. Voll Wind ist die Stunde, Und die Röte so tief und so winterlich klein. Unsere Hand, die sich zagend gefunden, Bald wird sie frieren und einsam sein.

Und die Sterne sind hoch in verblassenden Weiten Wenige erst, auseinander gerückt. Unsere Pfade sind dunkel, und Weiden breiten Ihre Schatten darauf, in Trauer gebückt.

Schilf rauschet uns. Und die Irrwische scheinen, Die wir ein dunkeles Schicksal erlost. Behüte dein Herz, dann wird es nicht weinen Unter dem fallenden Jahr ohne Trost.

Was dich schmerzet, ich sag es im Bösen. Und uns quälet ein fremdes Wort. Unsere Hände werden im Dunkel sich lösen, Und mein Herz wird sein wie ein kahler Ort.

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Illustration zu Im kurzen Abend

Interpretation

Das Gedicht "Im kurzen Abend" von Georg Heym beschreibt eine Stimmung der Vergänglichkeit und Einsamkeit. Die kurze Abendstunde, die voller Wind ist, symbolisiert die Vergänglichkeit des Lebens und die Kälte des Winters deutet auf den nahenden Tod hin. Die zaghaft gefundene Hand, die bald frieren und einsam sein wird, steht für die Vergänglichkeit menschlicher Beziehungen und die Einsamkeit des Einzelnen. Die Sterne am verblassenden Himmel und die dunklen Pfade, auf denen sich Schatten von Weiden in Trauer gebückt ausbreiten, verstärken die düstere Stimmung des Gedichts. Das Rauschen des Schilfs und die Irrwische, die ein dunkles Schicksal erlöst haben, lassen auf eine unheilvolle Zukunft schließen. Der Rat, das Herz zu behüten, damit es nicht unter dem fallenden Jahr ohne Trost weint, unterstreicht die Verletzlichkeit des Menschen und die Notwendigkeit, sich vor Schmerz zu schützen. Im letzten Vers des Gedichts wird die Trennung der Liebenden besiegelt. Die Hände lösen sich im Dunkel, und das Herz wird wie ein kahler Ort sein. Dies verdeutlicht die endgültige Einsamkeit und Leere, die den Menschen am Ende seines Lebens erwartet. Das Gedicht vermittelt eine tiefgründige Botschaft über die Vergänglichkeit des Lebens, die Einsamkeit des Einzelnen und die Notwendigkeit, sich vor Schmerz zu schützen.

Schlüsselwörter

dunkel herz kurzen abend voll wind stunde röte

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Stilmittel

Alliteration
Unsere Pfade sind dunkel, und Weiden breiten
Metapher
Und mein Herz wird sein wie ein kahler Ort
Personifikation
Und die Sterne sind hoch in verblassenden Weiten