Im Jahre 19000
1871Die Ameisen oder Emsen sind so weit jetzt, daß sie Gemsen sich als Sklaven halten (aus Gründen ihres Körperbaus).
Da sie selber sehr viel kleiner, so bedienen sie sich einer Gemse oder zweier Gemsen zu Gebirgspartien, die Emsen.
Ist sodann ein Adlernest abgesucht bis auf den Rest, gehn sie endlich, zog der Weih schon den Ameisbären bei,
wieder ihm aus Horst und Rock - und besteigen ihren Bock, der sie, wie ein Stein, der springt, heim zu ihrem Hügel bringt.
Angepflöckt, so stehn die Gemsen in der Nähe dort der Emsen, bei den Läusen u.s.w. und verwünschen ihre Reiter.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Im Jahre 19000" von Christian Morgenstern beschreibt eine dystopische Zukunft, in der Ameisen oder Emsen die Gemsen als Sklaven halten. Die Emsen, aufgrund ihrer geringeren Größe, nutzen die Gemsen zur Bewältigung von Bergpartien. Die Gemsen werden von den Emsen angepflöckt und als Transportmittel eingesetzt, um die Emsen zu ihrem Hügel zurückzubringen. Die Gemsen stehen in der Nähe der Emsen und verwünschen ihre Reiter. Das Gedicht zeigt eine groteske Umkehrung der natürlichen Ordnung, in der die kleinen Ameisen die größeren Gemsen beherrschen. Die Emsen nutzen die Gemsen als Arbeitskräfte und Transportmittel, um ihre eigenen Ziele zu erreichen. Die Gemsen sind dabei gezwungen, den Anweisungen der Emsen zu folgen und ihre Freiheit aufzugeben. Die abschließende Zeile des Gedichts deutet an, dass die Gemsen ihre Situation als Sklaven nicht akzeptieren und ihre Reiter verfluchen. Es wird suggeriert, dass die Gemsen sich gegen ihre Unterdrücker auflehnen könnten. Das Gedicht wirft Fragen nach Machtverhältnissen und der Ausbeutung von Tieren auf und regt zum Nachdenken über die ethischen Implikationen solcher Praktiken an.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- der Weih schon den Ameisbären bei
- Personifikation
- und verwünschen ihre Reiter
- Vergleich
- der sie, wie ein Stein, der springt, heim zu ihrem Hügel bringt