Im Hochgebirg
1807Steig’, o Seele, mit diesen Trutzigen Urweltriesen! Recke dich! Strecke dich! – Wie ihr entschlossen Seid emporgeschossen, Das Steinherz in der Brust, Das zu sehen ist Lust. Ihr seid nicht höflich und fein, Ihr lüget nicht, weich zu sein, Euch macht nicht Sorge und Rücksicht bang, Ihr bücket euch nicht, ihr fraget nicht lang, Die Losung heißt: Durch! die Losung heißt: Kraft! So habt ihr euch Platz in der Welt verschafft. – Es wird Nacht. Fort ist die Farbenpracht. Finster und schwer Steh’n sie umher, Schwarzblau mit düsteren Stirnen; Selbst die weißen Firnen Leuchten nicht mehr. Aber o sieh, schau’ empor! Ein Haupt ragt vor Ueber alle und taucht In des Lichtquells letzten fliehenden Schein Den Scheitel ein, Zart milchweiß und rosig angehaucht.
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Interpretation
Das Gedicht "Im Hochgebirg" von Friedrich Theodor Vischer beschreibt die majestätische und beeindruckende Natur der Berge. Der Sprecher fordert die Seele auf, mit den "Urweltriesen" aufzusteigen und sich wie sie zu strecken und zu recken. Die Berge werden als entschlossen und kraftvoll dargestellt, mit einem "Steinherz" in der Brust, das zu sehen eine Freude ist. Sie sind nicht höflich oder fein, sondern direkt und stark. Die Berge haben sich durch ihre Kraft und Entschlossenheit einen Platz in der Welt verschafft. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Stimmung düsterer. Die Nacht bricht herein und die Farbenpracht der Berge verschwindet. Die Berge stehen nun finster und schwer da, mit schwarzblauen und düsteren Stirnen. Selbst die weißen Firnen leuchten nicht mehr. Doch dann richtet der Sprecher seinen Blick empor und entdeckt ein Haupt, das über alle anderen ragt. Dieses Haupt taucht in den letzten fliehenden Schein des Lichts und wird zart milchweiß und rosig angehaucht. Dies könnte als Symbol für Hoffnung und Schönheit inmitten der Dunkelheit und Schwermut interpretiert werden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Apostrophe
- Steig', o Seele, mit diesen Trutzigen Urweltriesen!
- Bildsprache
- Schwarzblau mit düsteren Stirnen; Selbst die weißen Firnen Leuchten nicht mehr.
- Hyperbel
- Seid emporgeschossen
- Imperativ
- Steig', o Seele, mit diesen Trutzigen Urweltriesen! Recke dich! Strecke dich!
- Kontrast
- Es wird Nacht. Fort ist die Farbenpracht.
- Metapher
- Das Steinherz in der Brust
- Personifikation
- Wie ihr entschlossen Seid emporgeschossen, Das Steinherz in der Brust
- Symbolik
- Ein Haupt ragt vor Ueber alle und taucht In des Lichtquells letzten fliehenden Schein Den Scheitel ein, Zart milchweiß und rosig angehaucht.