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Im Hochgebirg

Von

Steig‘, o Seele, mit diesen
Trutzigen Urweltriesen!
Recke dich!
Strecke dich! –
Wie ihr entschlossen
Seid emporgeschossen,
Das Steinherz in der Brust,
Das zu sehen ist Lust.
Ihr seid nicht höflich und fein,
Ihr lüget nicht, weich zu sein,
Euch macht nicht Sorge und Rücksicht bang,
Ihr bücket euch nicht, ihr fraget nicht lang,
Die Losung heißt: Durch! die Losung heißt: Kraft!
So habt ihr euch Platz in der Welt verschafft. –
Es wird Nacht.
Fort ist die Farbenpracht.
Finster und schwer
Steh’n sie umher,
Schwarzblau mit düsteren Stirnen;
Selbst die weißen Firnen
Leuchten nicht mehr.
Aber o sieh, schau‘ empor!
Ein Haupt ragt vor
Ueber alle und taucht
In des Lichtquells letzten fliehenden Schein
Den Scheitel ein,
Zart milchweiß und rosig angehaucht.

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Gedicht: Im Hochgebirg von Friedrich Theodor Vischer

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Im Hochgebirg“ von Friedrich Theodor Vischer beschreibt eine Auseinandersetzung mit der Erhabenheit der Natur, insbesondere der Bergwelt. Es beginnt mit einem Aufruf an die Seele, sich den „trutzigen Urweltriesen“ anzuschließen, was eine Aufforderung zur inneren Stärke und Widerstandsfähigkeit darstellt. Die Metapher der Berge, die sich „emporgeschossen“ haben, suggeriert eine entschlossene und kraftvolle Haltung, die das Gedicht im Verlauf entfaltet. Der Dichter vergleicht die Berge mit einer ursprünglichen, ungezähmten Kraft, die keine Kompromisse kennt und sich ihren Weg bahnt.

Der zweite Teil des Gedichts beschreibt den Wechsel von Tag zu Nacht, wodurch die Farbpracht verschwindet und eine dunkle, bedrohliche Atmosphäre entsteht. Die Berge erscheinen nun „finster und schwer“, was eine gewisse Ehrfurcht und sogar eine Spur von Angst weckt. Der Kontrast zwischen der ursprünglichen Kraft und der Dunkelheit der Nacht betont die Vergänglichkeit und die Herausforderungen, denen sich der Mensch in der Natur stellen muss. Trotz der Dunkelheit und Schwere deutet das Gedicht auf eine Hoffnung, indem es auf ein einzelnes, hervorstechendes Merkmal aufmerksam macht.

Der abschließende Vers hebt einen einzelnen Gipfel hervor, der sich in dem letzten Lichtschein zartrosa und milchweiß färbt. Diese letzte Szene symbolisiert die Hoffnung und das Licht inmitten der Dunkelheit, sowie die Schönheit, die in der rauen Umgebung zu finden ist. Der Gipfel, der sich über die anderen erhebt, steht für die Individualität und die Fähigkeit, sich in den widrigsten Umständen zu behaupten und zu strahlen. Die zarten Farben bilden einen starken Kontrast zur vorher beschriebenen Düsternis und verleihen dem Gedicht eine positive Note.

Die Botschaft des Gedichts scheint zu sein, dass man sich durch innere Stärke und Entschlossenheit den Herausforderungen des Lebens stellen kann, ähnlich wie die Berge in der Natur. Es ermutigt zur Ehrfurcht vor der Natur, aber auch zur Suche nach Schönheit und Hoffnung, selbst in den dunkelsten Momenten. Die Kraft und die ungezähmte Natur der Berge dienen als Inspiration für die menschliche Seele, sich zu erheben und trotz aller Widrigkeiten seinen Weg zu gehen.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.