Im Herbst
1849Wie mit Flor bezogen ist der Himmel, Graue Nebel sinken feucht und schwer, Und der Raben hungriges Gewimmel Zieht auf Stoppelfeldern hin und her.
Blätter rauschen auf den öden Wegen, Die ich froh und glücklich einst betrat; Rauhe Lüfte hauchen mir entgegen, Und durchschaueren die Wintersaat.
Ringsumher ist jede Spur verschwunden Von des Sommers Lieblichkeit und Lust. Nur in tiefen, unheilbaren Wunden Regt sich noch sein Bild in meiner Brust.
Nur die Hoffnung hebt durch frische Farben Die verblichne, freudenleere Welt; Sammelt auch auf öden Fluren Garben, Die sie in der Zukunft Felder stellt.
Und der Schwermut schauerliche Nächte Hellt uns oft ihr goldner Himmelsschein; Freundlich führt uns ihre milde Rechte In das Reich der Fantasieen ein.
Tön′ auch mir mit Deinem Schmeichelworte, Hoffnung, Frieden in das bange Herz; Kränze windend um der Zukunft Pforte, Deute Du der Sehnsucht ihren Schmerz.
Und wenn einst der Sommer wiederkehret, Lass in seinem frischbelebten Grün Jede Freude, die mein Herz entbehret, Mir im Glück des Wiedersehens blühn.
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Interpretation
Das Gedicht "Im Herbst" von Charlotte von Ahlefeld beschreibt die melancholische Stimmung des Herbstes und den Kontrast zwischen der Vergangenheit und der Zukunft. Die Autorin malt ein Bild von einem grauen, nebligen Himmel und hungrigen Raben, die über die Stoppelfelder ziehen. Die Blätter rauschen auf den öden Wegen, und raue Lüfte wehen durch die Wintersaat. Die Spuren des Sommers sind verschwunden, aber sein Bild lebt noch in der Brust des Sprechers weiter. Die Hoffnung hebt die verblasste, freudenlose Welt durch frische Farben und sammelt Garben auf den öden Fluren, die sie in der Zukunft als Felder sieht. Die schaurigen Nächte der Schwermut werden oft durch den goldenen Himmelsschein erhellt, und die Hoffnung führt den Sprecher freundlich in das Reich der Fantasien ein. Die Hoffnung wird aufgefordert, mit ihren schmeichelnden Worten Frieden in das bange Herz des Sprechers zu bringen und den Schmerz der Sehnsucht zu deuten. Am Ende des Gedichts wünscht sich der Sprecher, dass die Hoffnung ihm im Glück des Wiedersehens alle Freuden blühen lässt, die sein Herz entbehrt hat, wenn der Sommer zurückkehrt. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Sehnsucht nach der Vergangenheit und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, trotz der gegenwärtigen Melancholie und Schwermut.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Mir im Glück des Wiedersehens blühn
- Personifikation
- Tön′ auch mir mit Deinem Schmeichelworte