Im Grünen zu singen

Hugo von Hofmannsthal

1924

War der Himmel trüb und schwer, Waren einsam wir so sehr, Voneinander abgeschnitten! Aber das ist nun nicht mehr: Lüfte fließen hin und her; Und die ganze Welt inmitten Glänzt, als ob sie gläsern wär.

Sterne kamen aufgegangen, Flimmern mein - und deinen Wangen, Und sie wissens auch: Stark und stärker wird ihr Prangen; Und wir atmen mit Verlangen, Liegen selig wie gefangen, Spüren eins des andern Hauch.

Anhören

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Im Grünen zu singen

Interpretation

Das Gedicht "Im Grünen zu singen" von Hugo von Hofmannsthal beschreibt einen Moment der Nähe und Verbundenheit zwischen zwei Menschen in der Natur. Zu Beginn wird eine Stimmung der Einsamkeit und Schwermut geschildert, in der die Personen "voneinander abgeschnitten" sind. Doch diese trübe Stimmung wandelt sich, als die Lüfte zu fließen beginnen und die Welt zu strahlen scheint, als wäre sie aus Glas. Dieser Wandel symbolisiert die Auflösung der Einsamkeit und die Entstehung einer intensiven Verbundenheit. Die Natur spielt eine zentrale Rolle in diesem Gedicht. Die Sterne, die aufgehen und auf den Wangen der Liebenden flimmern, stehen für die Schönheit und Magie des Moments. Sie werden immer prächtiger, was die wachsende Intensität der Gefühle zwischen den beiden Personen widerspiegelt. Die Natur wird zum Spiegel der inneren Empfindungen und verstärkt das Gefühl der Einheit und des Glücks. Im letzten Teil des Gedichts erreicht die Verbundenheit ihren Höhepunkt. Die Liebenden atmen mit Verlangen und liegen selig, gefangen in ihrem Gefühl. Sie spüren den Atem des anderen, was die tiefe Intimität und das Verschmelzen der beiden Personen symbolisiert. Das Gedicht endet mit einem Bild der vollkommenen Harmonie und des Glücks, das in der Natur und in der Liebe gefunden wird.

Schlüsselwörter

himmel trüb schwer einsam voneinander abgeschnitten mehr lüfte

Wortwolke

Wortwolke zu Im Grünen zu singen

Stilmittel

Alliteration
Sterne kamen aufgegangen
Bildsprache
Sterne kamen aufgegangen, / Flimmern mein - und deinen Wangen
Kontrast
War der Himmel trüb und schwer, / Waren einsam wir so sehr, / Voneinander abgeschnitten! / Aber das ist nun nicht mehr:
Metapher
Und die ganze Welt inmitten / Glänzt, als ob sie gläsern wär.
Personifikation
Sterne kamen aufgegangen
Vergleich
Lüfte fließen hin und her