Im Frühling
1828Hier lieg′ ich auf dem Frühlingshügel: Die Wolke wird mein Flügel, Ein Vogel fliegt mir voraus. Ach, ag′ mir, alleinzige Liebe, Wo du bleibst, daß ici bei dir bliebe! Doch du und die Lüfte, ihr habt kein Haus.
Der Sonnenblume gleich steht mein Gemüte offen, Sehnend, Sich dehnend In Lieben und Hoffen. Frühling, was bist du gewillt? Wann werd′ ich gestillt?
Die Wolke seh′ ich wandeln und den Fluß, Es dringt der Sonne goldner Kuß Mir tief bis ins Geblüt hinein; Die Augen, wunderbar berauschet, Tun, als schliefen sie ein, Nur noch das Ohr dem Ton der Biene lauschet.
Ich denke dies und denke das, Ich sehne mich und weiß nicht recht, nach was: Halb ist es Lust, halb ist es Klage; Mein Herz, o sage, Was webst du für Erinnerung In golden grüner Zweige Dämmerung! - Alte unnennbare Tage!
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Interpretation
Das Gedicht "Im Frühling" von Eduard Mörike ist eine lyrische Auseinandersetzung mit der Jahreszeit des Frühlings und den damit verbundenen Gefühlen von Liebe, Sehnsucht und Hoffnung. Der Sprecher liegt auf einem Hügel und lässt sich von der Natur umgeben, während er über seine Emotionen und die Vergänglichkeit des Lebens nachdenkt. Der erste Teil des Gedichts beschreibt die Sehnsucht des Sprechers nach seiner Geliebten, die jedoch nicht anwesend ist. Er vergleicht sich mit einer Wolke und einem Vogel, die frei und ungebunden sind, während er selbst an die Erde gebunden ist. Die Geliebte und die Lüfte haben kein Haus, was die Unerreichbarkeit und die Vergänglichkeit der Liebe symbolisiert. Im zweiten Teil des Gedichts vergleicht der Sprecher sein Gemüt mit einer Sonnenblume, die sich der Sonne zuwendet und nach Liebe und Hoffnung strebt. Er fragt sich, was der Frühling für ihn bereithält und wann seine Sehnsucht gestillt wird. Die Natur um ihn herum, wie die wandernde Wolke und der fließende Fluss, symbolisiert die Vergänglichkeit und den Fluss des Lebens. Im letzten Teil des Gedichts beschreibt der Sprecher die sinnlichen Eindrücke des Frühlings, wie den goldenen Kuss der Sonne und das Summen der Bienen. Er ist in Gedanken versunken und sehnt sich nach etwas, das er nicht genau benennen kann. Die Erinnerungen an vergangene Tage, die in der "golden grünen Zweige Dämmerung" erwachen, lassen ihn zwischen Lust und Klage schwanken.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Sehnend, Sehnend, In Lieben und Hoffen
- Interjektion
- Ach, ag′ mir, alleinzige Liebe
- Kontrast
- Halb ist es Lust, halb ist es Klage
- Symbolik
- Die Wolke, Der Fluß, Die Sonne
- Vergleich
- Der Sonnenblume gleich steht mein Gemüte offen