Logo der Website, Schriftzug "Poesie Oase" mit Palmen umrandet.
, , , , ,

Im Fluge

Von

Ganz in Eines flocht, o Gott, der Tanz
unsre bang beseligten Gestalten;
und ich sah, ihr schweres Haar war ganz
von dem einen Silberpfeil gehalten.

Und da hob sich schon ihr Mund und bog
sich mir dar mit bittendem Gefühle;
willenlos ein Blick, und im Gewühle
blitzt der Pfeil auf, der zu Boden flog.

Und sie senkte tief ihr heiß Genick,
plötzlich ganz von ihrem Haar umflossen;
und ich habe diesen Augenblick,
den mir Gott gegeben hat, genossen.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Im Fluge von Richard Dehmel

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Im Fluge“ von Richard Dehmel beschreibt einen intensiven, flüchtigen Moment der Vereinigung und Hingabe, der durch eine sinnliche Bildsprache und eine tiefe emotionale Konzentration charakterisiert wird. Das Gedicht fängt einen Augenblick des Glücks und der Verschmelzung ein, der durch die Verwendung von Bildern des Tanzes, des Pfeils und des Haars verstärkt wird. Die Einheit von Liebenden wird als ein göttliches Geschenk dargestellt, in dem Raum und Zeit für einen kurzen Moment aufgehoben scheinen.

Der erste Teil des Gedichts betont die Einheit und das Verschmelzen der Liebenden. Der Tanz wird als Metapher für diese Vereinigung verwendet, die in „Eines“ verschmilzt, was die absolute Verbundenheit unterstreicht. Das Haar der Geliebten, das „von dem einen Silberpfeil gehalten“ wird, ist ein starkes Bild, das sowohl die Schönheit als auch die Zerbrechlichkeit dieses Moments darstellt. Der „Silberpfeil“ kann als ein Symbol für Liebe, Verlangen oder sogar das Schicksal interpretiert werden, das diesen Moment zusammenhält.

Der zweite Teil des Gedichts konzentriert sich auf die sinnliche Erfahrung und die Hingabe. Der Blick und der Mund der Geliebten, die sich „mit bittendem Gefühle“ dem Sprecher zuwenden, deuten auf eine tiefe Sehnsucht und das Verlangen nach Nähe hin. Der „Pfeil“, der „zu Boden flog“, könnte als ein Zeichen der Erfüllung oder des Verlusts der Hemmungen interpretiert werden. Der flüchtige Charakter des Moments wird durch die rasche Abfolge der Ereignisse und die Verwendung von Adverbien wie „plötzlich“ betont, was die Intensität der Erfahrung unterstreicht.

Das abschließende Bild, in dem sie ihr „heiß Genick“ senkt und von ihrem Haar umflossen wird, verstärkt die Intimität und die Sinnlichkeit des Moments. Der Sprecher bekennt, diesen von Gott gegebenen Augenblick „genossen“ zu haben. Das Gedicht feiert die Vergänglichkeit und die Schönheit eines Augenblicks der Einheit und der Leidenschaft. Es ist eine Ode an die Liebe und an die flüchtige Natur menschlicher Erfahrungen, die durch die Verwendung von starken Bildern und Emotionen zum Ausdruck gebracht wird.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.