Im dunklen Erdteil Afrika
1912Im dunklen Erdteil Afrika Starb eine Ziehharmonika. Sie wurde mit Musik begraben. Am Grabe saßen zwanzig Raben. Der Rabe Num′ro einundzwanzig Fuhr mit dem Segelschiff nach Danzig Und gründete dort etwas später Ein Heim für kinderlose Väter. Und die Moral von der Geschicht? - Die weiss ich leider selber nicht.
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Interpretation
Das Gedicht "Im dunklen Erdteil Afrika" von Joachim Ringelnatz erzählt eine absurde und surreale Geschichte. Es beginnt mit dem Tod einer Ziehharmonika in Afrika, die mit Musik begraben wird. Am Grab sitzen zwanzig Raben, und der einundzwanzigste fliegt nach Danzig, um dort ein Heim für kinderlose Väter zu gründen. Die Handlung ist unlogisch und wirr, was den Leser verwirrt und zum Nachdenken anregt. Die absurde Handlung und die unerwarteten Wendungen im Gedicht zeigen, dass es sich um eine absichtlich sinnlose Geschichte handelt. Ringelnatz spielt mit den Erwartungen des Lesers und schafft eine Atmosphäre des Unerwarteten. Die Ziehharmonika als Protagonistin und die Raben als Begleiter sind ungewöhnliche Elemente, die die surreale Natur des Gedichts unterstreichen. Das Gedicht endet mit der Aussage, dass der Autor selbst die Moral der Geschichte nicht kennt. Dies betont die absurde und sinnlose Natur des Gedichts und lädt den Leser dazu ein, über die Absurdität des Lebens und der menschlichen Existenz nachzudenken. Es könnte als eine Kritik an der Suche nach tieferen Bedeutungen und Moralvorstellungen in einer chaotischen und unvorhersehbaren Welt interpretiert werden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anthropomorphismus
- Die Ziehharmonika wird als lebendiges Wesen dargestellt, das 'stirbt' und 'begraben' wird.
- Hyperbel
- Die Gründung eines 'Heims für kinderlose Väter' durch einen Raben ist eine übertriebene und absurde Handlung.
- Ironie
- Die Ziehharmonika wird 'mit Musik begraben', was ironisch ist, da eine Ziehharmonika selbst ein Musikinstrument ist.
- Nichtsequitur
- Die Handlungen der Raben und die Gründung des Heims haben keinen logischen Zusammenhang mit dem Tod der Ziehharmonika.
- Paradoxon
- Ein 'Heim für kinderlose Väter' ist ein paradoxer Begriff, da Väter per Definition Kinder haben.
- Selbstironie
- Die letzte Zeile 'Die weiss ich leider selber nicht' zeigt die Selbstironie des Autors, der die Moral der Geschichte nicht kennt.