Im Dorfe

Wilhelm Müller

1827

Es bellen die Hunde, es rascheln die Ketten; Es schlafen die Menschen in ihren Betten, Träumen sich manches, was sie nicht haben, Tun sich im Guten und Argen erlaben;

Und morgen früh ist alles zerflossen. Je nun, sie haben ihr Teil genossen Und hoffen, was sie noch übrig ließen, Doch wieder zu finden auf ihren Kissen.

Bellt mich nur fort, ihr wachen Hunde, Laßt mich nicht ruh′n in der Schlummerstunde! Ich bin zu Ende mit allen Träumen. Was will ich unter den Schläfern säumen?

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Illustration zu Im Dorfe

Interpretation

Das Gedicht "Im Dorfe" von Wilhelm Müller schildert einen Kontrast zwischen der ruhigen, träumenden Dorfgemeinschaft und dem unruhigen Wanderer. Während die Dorfbewohner in ihren Betten schlafen und von Dingen träumen, die sie nicht haben, und sich dabei im Guten wie im Argen erlaben, fühlt sich der Wanderer von den bellenden Hunden und raschelnden Ketten gestört. Die Träume der Dorfbewohner sind vergänglich und flüchtig, sie lösen sich am nächsten Morgen auf, doch sie hoffen, ihre Wünsche und Träume wieder auf ihren Kissen vorzufinden. Der Wanderer hingegen ist "zu Ende mit allen Träumen" und fühlt sich von der dörflichen Ruhe und den schlafenden Menschen entfremdet. Er möchte nicht in der "Schlummerstunde" ruhen und fragt sich, was er unter den Schläfern zu suchen habe. Diese innere Unruhe und Entfremdung des Wanderers spiegelt die Themen des Zyklus "Die Winterreise" wider, in dem der Wanderer auf seiner Reise durch die winterliche Landschaft Einsamkeit und Verzweiflung erfährt. Das Gedicht verdeutlicht den Kontrast zwischen der träumerischen Geborgenheit der Dorfbewohner und der existenziellen Krise des Wanderers. Während die Dorfbewohner in ihren Träumen Trost und Erfüllung suchen, hat der Wanderer diese Möglichkeit aufgegeben und fühlt sich in der dörflichen Gemeinschaft fehl am Platz. Die bellenden Hunde symbolisieren die äußeren Störungen, die den Wanderer an seine innere Unruhe und seine Entfremdung von der Welt erinnern.

Schlüsselwörter

hunde träumen bellen rascheln ketten schlafen menschen betten

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Stilmittel

Anapher
Was will ich unter den Schläfern säumen
Hyperbel
Und morgen früh ist alles zerflossen
Kontrast
Tun sich im Guten und Argen erlaben
Metapher
Ich bin zu Ende mit allen Träumen
Personifikation
Es bellen die Hunde, es rascheln die Ketten