Im Café
1892Die Nacht ist langsam vorgeschritten. Ein Gast klebt noch an einem Tisch. Nun ist er in Absinth geglitten, und schwimmt darin umher, ein Fisch.
Bestaunend die Metamorphose brech ich mir den Verstand entzwei. In meiner Kehle hängt sehr lose ein gellender Entsetzensschrei.
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Interpretation
Das Gedicht "Im Café" von Friedrich Wilhelm Wagner beschreibt eine Szene in einem Café, in der ein Gast durch übermäßigen Konsum von Absinth eine Art Verwandlung durchläuft. Die Nacht neigt sich dem Ende zu, doch der Gast klebt noch an seinem Tisch, versunken in die Wirkung des Getränks. Die Metapher, dass er "in Absinth geglitten" ist und "wie ein Fisch" darin schwimmt, verdeutlicht seine scheinbare Auflösung in der Substanz. Diese Bildsprache vermittelt ein Gefühl des Verlusts der Kontrolle und der Auflösung der eigenen Identität. Der Erzähler beobachtet diese Verwandlung mit Entsetzen und bricht sich dabei "den Verstand entzwei". Diese hyperbolische Wendung unterstreicht die Verwirrung und das Erschrecken, das die Metamorphose des Gastes auslöst. Die intensive Reaktion des Erzählers spiegelt die tiefgreifende Wirkung des Anblicks wider, der als bedrohlich oder verstörend empfunden wird. Der "gellende Entsetzensschrei" in seiner Kehle, der jedoch nicht ausgesprochen wird, symbolisiert die Unfähigkeit, die Situation in Worte zu fassen oder ihr zu entkommen. Insgesamt thematisiert das Gedicht die zerstörerische Kraft des Alkohols und die damit verbundene Auflösung des Selbst. Die groteske Verwandlung des Gastes in einen "Fisch" im Absinth steht metaphorisch für den Verlust der menschlichen Identität und Rationalität. Der Erzähler, der diese Szene beobachtet, wird selbst zum Zeugen eines schrecklichen Prozesses, der ihn sprachlos und fassungslos zurücklässt. Das Gedicht vermittelt somit eine eindringliche Warnung vor den Gefahren des exzessiven Alkoholkonsums und dessen Auswirkungen auf die menschliche Psyche.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Bestaunend die Metamorphose brech ich mir den Verstand entzwei.
- Metapher
- In meiner Kehle hängt sehr lose ein gellender Entsetzensschrei.
- Personifikation
- Die Nacht ist langsam vorgeschritten.
- Vergleich
- und schwimmt darin umher, ein Fisch.