III. Het ich tugende niht sô vil

Heinrich von Morungen

1150

I

Het ich tugende niht sô vil von ir vernomen und ir schoene niht sô vil gesehen, wie waere sî mir danne alsô ze herzen komen? ich muoz iemer dem gelîche spehen, Als der mâne tuot, der sînen schîn von des sunnen schîn enpfât, als kumt mir dicke ir wol liehten ougen blicke in daz herze mîn, dâ si vor mir gât.

II

Gênt ir wol liehten ougen in daz herze mîn, sô kumt mir diu nôt, daz ich muoz klagen. solde aber ieman an im selben schuldic sîn, sô het ich mich selben selbe erslagen, Dô ichs in mîn herze nam und ich sî vil gerne sach - noch gerner danne ich solde -, und ich des niht mîden wolde, in hôhte ir lop, swâ manz vor mir sprach.

III

Mîme kinde wil ich erben dise nôt und diu klagenden leit, diu ich hân von ir. waenet si danne ledic sîn, ob ich bin tôt, ich lâze einen trôst noch hinder mir, Daz noch schoene werde mîn sun, daz er wunder an ir begê, alsô daz er mich reche und ir herze gar zerbreche, sô sîn sô rehte schoenen sê.

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Illustration zu III.   Het ich tugende niht sô vil

Interpretation

Das Gedicht "III. Het ich tugende niht sô vil" von Heinrich von Morungen beschreibt die tiefe Liebe und Sehnsucht des lyrischen Ichs nach einer Frau. Das Ich vergleicht seine Gefühle mit dem Mond, der sein Licht von der Sonne empfängt, und sagt, dass der Anblick der schönen Augen der Frau in sein Herz eingedrungen ist. Das lyrische Ich beklagt sich darüber, dass es durch den Anblick der schönen Augen der Frau in seinem Herzen leidet. Es gesteht, dass es selbst schuld ist, da es die Frau in sein Herz aufgenommen und sich gerne an ihrem Anblick erfreut hat. Das Ich würde sich selbst bestrafen, wenn jemand anderes die Schuld tragen würde. Das lyrische Ich möchte seine Not und sein Leid an sein Kind weitergeben, damit es die Frau ebenfalls bewundern kann. Es hofft, dass das Kind die Frau so sehr begehrt, dass ihr Herz zerbricht, und dass dies die wahre Schönheit der Frau sei.

Schlüsselwörter

daz herze niht vil danne diu het schoene

Wortwolke

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Stilmittel

Hyperbel
ich muoz iemer dem gelîche spehen
Ironie
sô sîn sô rehte schoenen sê
Metapher
ir wol liehten ougen blicke / in daz herze mî n
Personifikation
Mîme kinde wil ich erben dise nôt
Vergleich
Als der mâne tuot, der sîn schîn / von des sunnen schîn enpfât