Ihr nennt mich stolz?
1856Ihr nennt mich stolz? Wer hat mich so gemacht? Ihr selbst, die mich betrogen und verrathen! Die Regung, die ihr schmäht, ist erst erwacht, Als ich mein Thun verglich mit euern Thaten!
Ihr nennt mich stolz? O wüßtet ihr wie gern Und freudenvoll der starre Stolz verschwände, Vor einem Menschen, der, ein lichter Stern, Hoch über mir und meinem Wesen stände. -
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Interpretation
Das Gedicht "Ihr nennt mich stolz?" von Betty Paoli ist eine leidenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Vorwurf des Stolzes, den die Sprecherin von anderen erfährt. Sie hinterfragt die Gründe für ihre vermeintliche Arroganz und macht diejenigen, die sie betrogen und verraten haben, für ihre Veränderung verantwortlich. Die Sprecherin betont, dass ihr Stolz erst erwacht ist, als sie ihr eigenes Handeln mit dem der anderen verglich und dabei einen deutlichen Unterschied feststellte. Die zweite Strophe des Gedichts offenbart eine tiefere Sehnsucht der Sprecherin. Sie wünscht sich, dass ihr Stolz verschwinden möge, wenn sie jemanden finden könnte, der ihr als leuchtender Stern über ihr steht. Dies deutet darauf hin, dass ihr Stolz nicht aus Überheblichkeit, sondern aus einer Art Schutzmechanismus entstanden ist, um sich vor weiteren Enttäuschungen und Verletzungen zu bewahren. Die Sprecherin sehnt sich nach einer Person, die sie inspirieren und erheben kann, sodass ihr eigener Stolz überflüssig wird. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine komplexe emotionale Landschaft. Es geht nicht nur um den Vorwurf des Stolzes, sondern auch um die Suche nach Authentizität, Vertrauen und Inspiration. Die Sprecherin fordert die Leser auf, über die Oberfläche hinauszublicken und die tieferen Gründe für ihr Verhalten zu verstehen. Sie zeigt, dass Stolz oft eine Reaktion auf Verletzungen und Enttäuschungen ist und dass wahre Größe darin liegt, jemanden zu finden, der uns über uns selbst hinauswachsen lässt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Frage
- Ihr nennt mich stolz?
- Gegensatz
- Ihr selbst, die mich betrogen und verrathen
- Hyperbel
- Vor einem Menschen, der, ein lichter Stern, Hoch über mir und meinem Wesen stände
- Ironie
- Ihr nennt mich stolz?
- Metapher
- Ein lichter Stern