Idyll

Frank Wedekind

1864

Zum Kellner sprach die Kellnerin: Mir wird so sonderbar zu Sinn, Ich finde mich ganz verändert. Wie bin ich Ärmste doch bisher Empfindungsbar, gedankenleer Durchs Gastlokal geschlendert!

Nun möcht′ ich jauchzen und möchte schrein, Möcht′ leise wimmern und selig sein Und sehne mich fort ins Weite; Ich sehne mich tief in die Einsamkeit, Und trotzdem wird mir so weich, so weit So wohlig an deiner Seite.

O Kellnerknabe, sag an, sag an, Was hast du Böser mir angetan? Mein Friede liegt in Scherben. Mir ahnt ein Glück, ich ermess′ es nicht, Ich fluche sein, ich vergess′ es nicht, Ich möchte am liebsten sterben.

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Illustration zu Idyll

Interpretation

Das Gedicht "Idyll" von Frank Wedekind beschreibt die plötzliche und überwältigende Erweckung romantischer Gefühle einer Kellnerin für einen Kellner. Die Erzählung beginnt mit einem Gefühl der Verwirrung und des Wandels, das die Kellnerin erfasst hat, als sie durch das Gastlokal schlenderte. Sie fühlt sich nun von einer neuen Empfindsamkeit erfüllt, die ihr zuvor fremd war, und sehnt sich nach einer tiefen emotionalen Verbindung. Die Gefühle der Kellnerin sind widersprüchlich und intensiv. Sie möchte jauchzen und schreien, leise wimmern und gleichzeitig selig sein. Diese emotionale Verwirrung treibt sie dazu, sich nach Einsamkeit zu sehnen, während sie sich gleichzeitig an der Seite des Kellners unerklärlicherweise wohl und geborgen fühlt. Die Ambivalenz ihrer Gefühle spiegelt die oft chaotische Natur der ersten Liebe oder Anziehung wider. Im letzten Teil des Gedichts wird die Intensität ihrer Emotionen noch deutlicher. Die Kellnerin fragt den Kellner, was er ihr angetan hat, um solche starken Gefühle in ihr zu wecken. Sie fühlt sich durch diese plötzliche Liebe gestört, da ihr innerer Frieden zerstört wurde. Die Ahnung eines Glücks, das sie nicht messen kann, und der Wunsch zu sterben, verdeutlichen die überwältigende Natur ihrer neuen Emotionen, die sowohl euphorisch als auch schmerzhaft sind.

Schlüsselwörter

möcht möchte sehne sag kellner sprach kellnerin sonderbar

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Stilmittel

Anapher
Möcht′ ich jauchzen und möchte schrein, Möcht′ leise wimmern und selig sein
Frage
O Kellnerknabe, sag an, sag an, Was hast du Böser mir angetan?
Gegensatz
Ich sehne mich tief in die Einsamkeit, Und trotzdem wird mir so weich, so weit So wohlig an deiner Seite
Hyperbel
Ich möchte am liebsten sterben