Ideale Wahrheit

Eduard Mörike

1837

Gestern entschlief ich im Wald, da sah ich im Traume das kleine Mädchen, mit dem ich als Kind immer am liebsten verkehrt. Und sie zeigte mir hoch im Gipfel der Eiche den Kuckuck, Wie ihn die Kindheit denkt, prächtig gefiedert und groß. “Drum! dies ist der wahrhaftige Kuckuck!” – rief ich – “Wer sagte Mir doch neulich, er sei klein nur, unscheinbar und grau?”

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Interpretation

Das Gedicht "Ideale Wahrheit" von Eduard Mörike erzählt von einem Traum, in dem der Erzähler im Wald auf ein Mädchen trifft, das er aus seiner Kindheit kennt. Gemeinsam betrachten sie einen Kuckuck in der Krone einer Eiche, der prächtig gefiedert und groß ist, wie ihn die Kindheit denkt. Der Erzähler ruft aus, dass dies der wahrhaftige Kuckuck sei, und fragt sich, wer ihm neulich gesagt habe, dass der Kuckuck klein, unscheinbar und grau sei. Das Gedicht thematisiert den Kontrast zwischen der idealisierten Vorstellung aus der Kindheit und der nüchternen Realität des Erwachsenenalters. Der Traum versetzt den Erzähler zurück in eine Zeit, in der die Welt noch voller Wunder und Magie war. Der Kuckuck, den er gemeinsam mit dem Mädchen betrachtet, entspricht der kindlichen Vorstellung von einem prächtigen, imposanten Vogel. Im Gegensatz dazu steht die Erinnerung an die Aussage, dass der Kuckuck in Wirklichkeit klein und unscheinbar sei. Das Gedicht vermittelt eine Sehnsucht nach der verlorenen Unschuld und dem kindlichen Staunen. Der Erzähler sehnt sich danach, die Welt noch einmal durch die Augen eines Kindes zu sehen, in der die Fantasie die Realität überstrahlt. Der Traum wird zum Ort, an dem die "ideale Wahrheit" noch existiert, losgelöst von den Zwängen der Erwachsenenwelt. Das Gedicht regt zum Nachdenken über die Bedeutung von Erinnerungen und die Vergänglichkeit der Zeit an.

Schlüsselwörter

kuckuck gestern entschlief wald sah traume kleine mädchen

Wortwolke

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Stilmittel

Ironie
Wer sagte mir doch neulich, er sei klein nur, unscheinbar und grau?
Metapher
Gestern entschlief ich im Wald
Personifikation
mit dem ich als Kind immer am liebsten verkehrt
Symbolik
die Kindheit denkt, prächtig gefiedert und groß