Ich
1729Die Ehre hat mich nie gesucht; sie hätte mich auch nie gefunden. Wählt man, in zugezählten Stunden, ein prächtig Feierkleid zur Flucht?
Auch Schätze hab ich nie begehrt. Was hilft es sie auf kurzen Wegen für Diebe mehr als sich zu hegen, wo man das wenigste verzehrt?
Wie lange währt′s, so bin ich hin, und einer Nachwelt untern Füßen? Was braucht sie wen sie tritt zu wissen? Weiß ich nur, wer ich bin.
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Interpretation
Das Gedicht "Ich" von Gotthold Ephraim Lessing beschreibt die Haltung des lyrischen Ichs gegenüber Ruhm und Reichtum. Es wird deutlich, dass das Ich weder nach Ehre noch nach Schätzen strebt. Die Ehre wird als etwas Vergängliches und Unzuverlässiges dargestellt, das man nicht anziehen oder festhalten kann. Das Ich betont, dass es die Ehre nie gesucht hat und sie auch nie gefunden hat, da es sich nicht mit prächtigen Festkleidern schmückt, um sie zu erlangen. Auch der Reichtum wird vom lyrischen Ich abgelehnt. Es wird argumentiert, dass Schätze auf kurzen Wegen mehr Gefahr bergen als Nutzen bringen. Das Ich bevorzugt es, das Wenigste zu verzehren, um sich vor Dieben zu schützen. Diese Haltung spiegelt eine gewisse Bescheidenheit und Vorsicht wider, die das Ich an den Tag legt. Im letzten Vers des Gedichts wird die Vergänglichkeit des Lebens thematisiert. Das Ich erkennt an, dass es irgendwann sterben wird und dass die Nachwelt es möglicherweise unter ihren Füßen zertreten wird. Dennoch betont das Ich, dass es nur wissen möchte, wer es selbst ist. Diese Aussage verdeutlicht die Bedeutung der Selbstreflexion und des Selbstbewusstseins für das lyrische Ich.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Betonung
- Weiß ich nur, wer ich bin.
- Metapher
- Was hilft es sie auf kurzen Wegen für Diebe mehr als sich zu hegen, wo man das wenigste verzehrt?
- Personifikation
- Auch Schätze hab ich nie begehrt.
- Rhetorische Frage
- Was braucht sie wen sie tritt zu wissen?