Ich

Betty Paoli

1814

Ich kann, was ich muß! o seltnes Geschick! Ich will, was ich muß - - o doppeltes Glück.

Mein Herz ist an Stärke dem Felsen gleich, Mein Herz ist, wie Blumen, sanft und weich.

Mein Wesen gleicht Glocken von strengem Metall: Schlag kräftig d′ran, gibt es auch kräftigen Schall.

Mein Geist stürmt auf eiligem Wolkenroß hin; Mein Geist spielt mit Kindern mit kindlichem Sinn.

Ich weiß, was ich will! und weil ich es weiß, Drum bann′ ich′s zu mir in den magischen Kreis.

Ich weiß, was ich will! das ist ja die Kraft, Die sich aus dem Chaos ein Weltall entrafft.

Ich weiß, was ich will! und wenn ich′s erreich′, Dann gelten der Tod und das Leben mir gleich.

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Illustration zu Ich

Interpretation

Das Gedicht "Ich" von Betty Paoli ist eine tiefgründige Auseinandersetzung mit der menschlichen Psyche und dem inneren Konflikt zwischen Pflicht und Wunsch. Die Sprecherin behauptet, dass sie sowohl das tun kann, was sie muss, als auch das will, was sie muss. Dies wird als "seltner Fall" und "doppeltes Glück" bezeichnet. Die Ambivalenz zwischen Stärke und Sanftheit, zwischen dem Felsen und den Blumen, symbolisiert die Vielschichtigkeit des menschlichen Charakters. Die Metapher der Glocke aus "strengem Metall" verdeutlicht die Idee, dass die Sprecherin zwar äußerlich stark und widerstandsfähig erscheinen mag, aber dennoch in der Lage ist, tiefe Emotionen und Klänge auszudrücken. Der Kontrast zwischen dem stürmenden Geist auf einem "Wolkenroß" und dem kindlichen Spiel mit Kindern zeigt die Bandbreite der geistigen Fähigkeiten und Interessen der Sprecherin. Es wird deutlich, dass sie sowohl nach Höherem strebt als auch die einfachen Freuden des Lebens zu schätzen weiß. Der magische Kreis, in den die Sprecherin ihre Wünsche bannt, symbolisiert die Selbstbeherrschung und die Fähigkeit, die eigenen Ziele zu kontrollieren. Das Wissen um den eigenen Willen wird als eine Kraft beschrieben, die aus dem Chaos ein geordnetes Weltall erschafft. Dies deutet auf die Macht des menschlichen Geistes hin, Ordnung und Sinn in das Leben zu bringen. Die abschließende Zeile, in der die Sprecherin erklärt, dass Tod und Leben ihr gleichgültig werden, sobald sie ihre Ziele erreicht hat, unterstreicht die tiefe Überzeugung und den unerschütterlichen Willen der Sprecherin.

Schlüsselwörter

will weiß muß herz gleich geist kann seltnes

Wortwolke

Wortwolke zu Ich

Stilmittel

Anapher
Ich weiß, was ich will! das ist ja die Kraft, Die sich aus dem Chaos ein Weltall entrafft.
Antithese
Dann gelten der Tod und das Leben mir gleich.
Gleichnis
Mein Herz ist an Stärke dem Felsen gleich, Mein Herz ist, wie Blumen, sanft und weich.
Metapher
Mein Geist stürmt auf eiligem Wolkenroß hin; Mein Geist spielt mit Kindern mit kindlichem Sinn.
Parallelismus
Ich kann, was ich muß! o seltnes Geschick! Ich will, was ich muß - - o doppeltes Glück.